AUFDONNERN

9.11.12


Um das gleich vornweg zu nehmen: Nein, ich bin nie in London ausgegangen. Und ja, ich weiss dort ist alles anders, grösser, toller und unvergesslicher. Jawohl, ich habe keine Ahnung, denn ich habe nie die Mädels in London gesehen. Ich kann euch also leider nur einen zweitklassigen Vergleich zwischen meinem Alpenländchen und  Cambridge liefern.
Ich war zwar in London, aber da habe ich es vorgezogen meine Abende mit Filmpremieren, Musicals, Shoppen und Essen auszufüllen. Irgendwie bin ich nie auf die Idee gekommen in einen Club zu gehen.
Erstens lag das wohl an der Tatsache, dass ich vor jedem Club an dem ich vorbeigekommen war, eine extrem lange Warteschlange gesehen habe. Ich hasse anstehen.
Als zweiten Grund könnte ich vielleicht mein übervorsichtiges Unterbewusstsein nennen, welches mir immer wieder befohlen hat gegen elf Uhr im Hotelzimmer anzukommen, weil sich die Stadt ja danach urplötzlich, ähnlich den alten Häusern zur Geisterstunde, in ein Paradies für Kleingangster und grosse Mafiabosse verwandelt.
Ich bin also nie in London ausgegangen.

Ich habe euch jedoch ein paar Unterschiede versprochen und versuche euch jetzt einen etwas ausführlicheren zu liefern.
Nun, zuhause verstehe ich unter "Ausgehen" zumeist in die Stadt fahren, mit Freunden ein Bierchen oder einen Coktail in unserem Lieblingslokal kippen. Diese Abende werden zumeist mit einem höllenlauten Heavy Metal-Konzert im Anschluss noch einmal so richtig heftig gefeiert.
Manchmal verirre ich mich aber auch in einen Club oder auf eine Party und tanze die Nacht zu Discomusik  durch.
Kann schon mal vorkommen.
Wenn ich das jetzt so vergleiche, so besteht eigentlich kein riesiger Unterschied zwischen Zuhause und Cambridge. Auch hier gehe ich mit Freunden einen trinken und danach geht's ab in einen Club wo getanzt wird, bis wir nicht mehr können.

Der Unterschied liegt jedoch im Detail. Und was ich meine ist, das was man zu sehen bekommt.
Ich meine, ja auch Zuhause kann ich leichtbekleideten Damen zuschauen wie sie ihre Hüften schwingen und ja, auch Zuhause laufen besoffene Leute quer über die Strasse.
Aber in England ist irgendwie immer alles noch ein bisschen schräger, ein bisschen krasser, ein bisschen mehr Overkill. 
Die Damen hier sind nicht einfach nur leichtbekleidet. Sie sind praktisch nackt.
Und das auch bei -1 Grad. Celsius, versteht sich.
Die Damen hier machen sich nicht schick, nein die donnern sich auf oder sonst was, falls euch ein Verb einfällt, welches das ganze noch einen Tick stärker bezeichnen könnte.
Wenn man hier in einem Pub die Damentoilette besucht, so sieht man die Mädels nicht vor dem Spiegel stehen und ihren Lippenstift oder Mascara auffrischen, nein man sieht sie Make-Up auffrischen, neue Frisuren kreiieren, Klamotten wechseln, Zähne putzen... Ich habe schon eine nette Anzahl an verschiedenen Beispielen bestaunt, das könnt ihr mir glauben.
Ich fühle mich dann immer sehr Mauerblümchenhaft mit meiner Handtasche in der man nur einen Lippenstift, einen Mascara und Taschentücher finden kann.
Aber vorallem frage ich mich immer wie viel davon einfach nur Maskerade ist. Die Mädels werden diese ganze Prozedur ja wohl nicht jeden Tag zu jeder zweiten Stunde durchziehen. Irgendwie habe ich immer das Gefühl einem professionellem Theater zuzuschauen. Echte Gesichter sehe ich leider relativ selten unter dem ganzen Make-Up.
Nun, das ist auch Zuhause oft der Fall. Aber es ist nicht in jedem Lokal der Fall. Hier zumindest konnte ich das Gegenteil noch nie ausmachen.

Am heftigsten finde ich jedoch die Tatsache, dass die Damen in ultradünnen Kleidchen, die gerade mal knapp auf den Oberschenkel gehen, zumeist Ärmellos sind und tiefe Einblicke ins Dekolleté erlauben, stundenlang draussen bei unter 10 Grad stehen, rauchen oder mit potenziellen Partnern Lebensweisheiten und jenste Dummheiten austauschen.
Ich friere immer tief in meinen Nieren und Knochen wenn ich mir das anschauen muss, während ich, eingepackt in Wintermantel, mit Mütze und Schal zu meinem Fahrrad zurückkehre.
Aber vielleicht sind die Engländerinnen einfach völlig immun gegen Kälte und Wind.
Vielleicht haben sie ein spezielles Gen, welches sie resisten gegen jegliche Art von unangenehmen Wetterlagen macht.
Keine Ahnung.

Jedenfalls habe ich Zuhause selten Mädels in Négligé und 10-Zentimeter Absätzen morgens um halb drei bei 2 Grad auf der Strasse rumstehen sehen. Und wenn doch, dann waren diese Frauen aus einem ganz bestimmten Grund nicht sehr zu beneiden.

Soweit können kulturelle Unterschiede also gehen.
Noch ist es harmlos.

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