VERSPÄTEN

20.11.12



Die Engländer mögen es pünktlich. 
Zehn Minuten Verspätung liegen noch im Rahmen der Geduld, alles darüber muss mit einem kleinen weissen Zettel erklärt und entschuldigt werden, falls man um Einlass ins Klassenzimmer hofft. 
Wo man diese Zettel herkriegt und was man da genau draufschreibt, werde ich jetzt nicht weiter ausführen, denn das ist nicht der Punkt.
Eigentlich geht es hier um etwas ganz anderes, obwohl auch das mit Pünktlichkeit bzw. Verspätung zu tun hat. 

Wie ich schon erwähnt habe, mögen Enländer Pünktlichkeit. Das ist auch gut so, immerhin stamme ich aus einem Land, welches für seine Pünktlichkeit weltweit bekannt ist (nicht nur weil wir die besten Uhren produzieren, sonder einfach weil wir so unglaublich pflichtbewusste Leute sind... hahaha). Pünktlichkeit ist für mich also kein Problem. 
Ich war schwer beeindruckt wie gut die Züge in London ihren Zeitplan einzuhalten vermögen, wie ununterbrochen die U-Bahn, trotz jenster Baustellen auf jeder Strecke, fährt und, dass es für manche Routen alle paar Minuten einen Bus gibt. 
Ausserdem war jeder/jede Enländer/in mit dem/der (wir wohlen ja hier um jeden Preis Sexismus umgehen!) ich bisher ein Treffen ausgemacht habe, nie mehr als zehn Minuten verspätet. Die Verspätungen wurden zumeist sogar via SMS vorausgesagt. 
Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber ich habe da wirklich sehr nette Erfahrungen gemacht.
Nun, mal abgesehen von Bussen in Cambridge.

So wunderschön diese Studentenstadt auch ist (und ehrlich, ich LIEBE sie einfach nur!), verliert sie doch all ihren Charme wenn man morgens in einem Bus zur Schule sitzt.
Es beginnt damit, dass der Bus 20 Minuten verspätet an meiner Haltestelle ankommt. Dann folgt die unglaublich zeitintensive Phase des Streckenbilletkaufens - ja, man muss sein Ticket hier beim Busführer kaufen, weil es keine Automaten gibt. Gefolgt wird das ganze von einer schier endlosen Fahrt durch Stau und stockenden Verkehr auf sämtlichen Strecken. 
Morgens um acht Uhr sind nämlich alle Strassen ins Stadtzentrum masslos überfordert und es bilden sich kilometerlange Staus. Da kann man schon gut mal eine Stunde anstelle von zwanzig Minuten im Bus sitzten. 
Das ginge ja alles noch. Immerhin habe ich mir zu helfen gewusst und mir ein Fahrrad angeschafft, damit ich gemächlich an den gelangweilten Staufahrern vorbeiradeln kann.

Was aber wirklich gar nicht ging, war heute Nachmittag und ehrlich, das ganze hat auch an den Nerven einer involvierter Engländer/innen gezehrt.
Nacht Fahrplan sollte mein Bus um 15:45 Uhr abfahren. Ich war brav fünf Minuten vorher an der Bushaltestelle. 
Ach, wäre ich doch bloss nicht hingegangen und hätte die Zeit in Starbucks verbracht.
Der Bus tauchte nämlich um 16:15 endlich mal auf. 
Alle Leute an der Haltestelle wurden zunehmend "grumpy"  und von meinem Gemütszustand will ich gar nicht erst zu sprechen beginnen. Wäre dieser Bus in meinem Land nach erst 30 Minuten, ohne jegliche Erklärung der Verspätung, aufgetaucht, so hätte die Busgesellschaft abends einige Beschwerdemails zu beantworten gehabt und der arme Busführer hätte sich vor Angst sehr weit hinten in seiner Kabine verkrochen.
Engländer sind aber sehr höflich. Wir stiegen also alle brav ein. Ein paar "Fuck off" waren zwar schon zu hören, aber niemand hätte es gewagt sich direkt an den Busführer zu wenden.
Der Bus fuhr los. 
Und bliebt im Abendverkehr stecken.
Fazit des Ganzen: Schliesslich kam ich fast 1,2h später zu Hause an als es eigentlich Fahrplanmässig die Regel wäre. 

Was ich daraus gelernt habe?
Nie wieder steige ich in den Bus um 15:45. 
Der kann mich mal!

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