Die Welt geht wieder einmal unter

23.12.12



Willkommen in einer neuen Welt.
Wie schön, dass ich Sie hier begrüssen kann, ich gratuliere, sie haben also auch überlebt!
Als die Mayas zum Klang von sieben Posaunen auf die Erde niederkamen, ein Schlund sich auftat und alle Bösen vom Erdboden verschluckte, eine Sonneneruption von nie dagewesenem Ausmasse unsere Erde traf, die Planeten in einer unheilbringenden Linie standen, es drei Tage dunkel wurde und zu allem Übel auch noch irgendeine Sternenkonstellation es zuliess, dass unser Bewusstsein erweitert wurde - wo waren Sie da?
Ja, aber irgendwie müssen Sie uns doch erklären können, wie sie überlebt haben!
Haben Sie sich auf einem heiligen Berg in Frankreich versteckt?
Nein, ich auch nicht.

Ehrlich gesagt habe ich bis spät in die Nacht gelesen und bin dann irgendwann über meiner Lektüre eingechlafen, nur um dann am nächsten Morgen aufzuwachen und als ausgeschlafene Überlebende zum Kühlschrank zu schlurfen und mir meine erste Tasse Kaffe und mein erstes Nutella-Brot in der neuen Welt, auf höherer Dimension oder ganz einfach im Paradies, zuzubereiten.
Ein Jahrtausend-Erlebnis, dieser Weltuntergang.
Erstaunlich, dass Nutella noch immer genauso schmeckt wie in der letzten Dimension.
 Ob ich daran glaube, dass die Welt wie wir sie kannten untergegangen ist?
Aber natürlich! Wo denken Sie hin!
Immerhin haben das Johannes, Nostradamus, die Mayas, Mike Shiva, das Horoskop letzte Woche und ein paar Medien genauso vorausgesagt.
Ne, da gibt's keinen Zweifel dran. Das ist nicht mehr das Selbe. Das ist jetzt alles ganz anders, immerhin haben wir Schreckliches überstanden!
Und Sie können, egal was Sie auch behaupten mögen, nicht beweisen, dass es nicht wirklich so ist.

Vielleicht ist die Welt, auch wenn wir die oben genannten Schrecken natürlich nicht auszustehen hatten (ich wollte Sie ja nur ein bisschen ärgern...), wirklich untergegangen. Vielleicht leben wir nur noch in einer virtuellen Welt, in einer Welt, die für uns programmiert wurde, während wir schliefen. Ja, genau: Wie in Matrix!
Nein, das können sie nicht beweisen, dass das nicht so ist. Und wenn doch, dann möchte ich zu gerne ihre philosophische Abhandlung über 1000 Seiten dazu lesen.
Wirklich, ich heuchle kein Interesse! Na los, beweisen Sie es mir!

Obwohl ich eine Skeptikerin bin und bleibe, womit ich sagen will, dass ich schon immer irgendwie an der Realität gezweifelt habe (natürlich nur zwischendurch, weil das sonst schlecht für die Gesundheit sein kann, wenn Sie verstehen, was ich meine...), muss ich doch zugeben, dass mich dieser ganze Weltuntergangs-Hype eigentlich nur amüsiert hat.
In Angst und Schrecken  zu leben, stellt sich nach einer Überlegung von weniger als zwei Sekunden als äusserst dumm, unbefriedigend, erniedrigend und unbegründet dar.
Zudem wird der Weltuntergang ja sowieso alle paar Jahre vorausgesagt und das, obwohl sich dieser kleine, unbedeutende Planet schon seit ein paar Millionen Jahren um seine eigene, unbedeutende Achse dreht.
Menschen sind doch nichts weiter als ein Haufen Zyniker.

Ganz ehrlich: Was bringt uns der Weltuntergang?
 Nachdem der regelmässig für fast sämtliche Jahre zwischen 30 n.Chr. bis 2076 n.Chr. vorausgesagt wurde und nie "wirklich" mit grossem Tamtam und Posaunen eingetreten ist, stellt sich doch irgendwann die Frage, wer sich denn überhaupt noch die Mühe macht das Datum für diesen meeega Event auf Facebook zu posten.
Gleichzeitig stellt sich natürlich auch die Frage, wer denn überhaupt noch an diesen tollen Event glaubt.
Der wird uns jetzt schon gut 2000 Jahre lang vorausgesagt und eingetroffen ist er trotzdem nicht.
Interessant...
Wer könnte denn was davon haben?
Wir wollen ja jetzt hier sicher nicht in die Verschwörungstheorien-Unterwelt abtauchen, deshalb sage ich ganz einfach Folgendes:

Sterben muss jeder irgendwann. Der Weltuntergang würde uns alle gleichzeitig auslöschen. Wo also ist bitteschön das Problem? Wenn sowieso alle sterben werden, wird's auch nichts mehr zu verpassen geben auf diesem coolen Planeten.
Ah, ich verstehe... Der Tod macht Angst.
Wieso?
Weil wir nicht sicher sind, was danach kommt.
Genau da ist es, wo Religionen anknüpfen. Religion verspricht uns zu wissen, was nach dem Tod kommt. Ausserdem verspricht uns Religion, dass wenn wir ihre Regeln befolgen, nach dem Tod alles besonders angenehm für uns wird.
Wenn wir also jetzt nochmal auf die Frage oben zurückkommen, können wir uns die nach ein bisschen Überlegung selbst beantworten:
Religion zieht Nutzen aus dem Weltuntergang. 

Sie können jetzt alle den Kopf schütteln und mich "Verschwörungstheoretikerin" nennen. Sie können mir zustimmen, wenn sie die selben Überlegungen schon hinter sich haben. Oder Sie können einfach beides lassen.

Ich behaupte nicht, dass alles auf der Welt logisch und erklärbar ist. Unsere Wissenschaften sind ganz offensichtlich noch nicht in der Lage alles zu erklären.
Daher will ich auch nicht behaupten, dass ein Weltuntergang unmöglich ist oder, dass er, wie ich oben schon gesagt habe, nicht vielleicht schon stattgefunden hat.

Was ich wirklich sagen will ist, dass ich es interessant finde, dass Menschen nur dann plötzlich auf "heilige" Berge gehen, in die Kirche oder wohin auch immer, wenn sie um ihr Leben nach dem Tod fürchten.

Interessant ist die Tatsache, dass die Menschheit alle paar Jahre Grund zu dieser Sorge hat.

Nun ja, ich denke wir haben nun genug von all diesen pessimistischen Dingen.
Egal ob wir uns in die Kirche begeben haben oder nicht, irgendwie haben wir dieses 2012 jetzt alle fast schon überstanden. Egal welchen Überzeugungen sie angehören/frönen, markieren können Sie sich schon mal das Jahr 2076 auf Ihrem Iphone-Kalender. Da wird die Welt nähmlich wieder untergehen.
Zum geschätzten 1000. Mal.

Während ich nun also geduldig darauf warte meinen 90. Geburtstag (viel Spass beim zurückrechnen und nein, das ist nicht mein wahres Alter, was Sie da herausbekommen) im Höllenfeuer zu verbringen, werde ich Sie unterdessen mit ein paar neuen Blogposts zu unterhalten versuchen.

Da ich nun nicht mehr in England bin, müssen Sie sich mit Neuigkeiten aus dem Alpenländchen abfinden.
Geplant ist ein Spezial über eine sehr spezielle Art von Mode, ein Bericht über mein Leben während der "Belle Epoque", ein Studienbeginn im Februar und allerhand anderer, unwichtiger Dinge, von denen ich glaube (korrigiere! weiss), dass das schon beinahe unendliche Internet sie unbedingt zu erfahren braucht.

Ich wünsche ein frohes Fest (welcher Art ist mir absolut egal) und einen Rutsch (rutschen ist doch eher negativ behaftet, irgendwie hört es sich immer etwas seltsam an ihn "gut" zu wünschen) ins 65. Jahr vor dem nächsten Weltuntergang!

Magst du vielleicht auch

0 Kommentare