Zu Besuch bei Herrn Giger

2.1.13

HR Giger Museum, Gruyères

Da schon der letze Post mit einer Menge Willkommensgrüsse begann, lassen wir das für diesen bleiben. Wir haben ja alle mittlerweile verstanden, dass wir ins neue Jahr gerutscht/getorckelt/geflutscht sind, der Weltuntergang hinter uns liegt und wir daher für ein Weilchen nicht allzu viel zu befürchten haben.
Natürlich kommt das ganz auf die Perspektive drauf an:
Kaum hat man Neujahr nämlich hinter sich, wacht man am ersten Januarmorgen (ob mit dröhnendem Kopf oder nicht kommt auch ganz auf die Perspektive drauf an) auf und stellt fest, dass man sich ab sofort schon wieder mit äusserst angenehmen Dingen wie der Sommerjobsuche, dem Kauf eines neuen Notebooks, der Suche nach einem Nebenjob fürs Semester und überhaupt dem Beginn dieses verwirrenden, ersten Semesters herumzuschlagen hat.
Hallo 2013! Ja, ich mag dich auch schon ganz doll.
Da ich aber der Meinung war, dass das neue Jahr mich noch früh genug - sprich irgendwann übermorgen, wenn ich meine Bewerbungen abschicke - einholen würde, beschloss ich zusammen mit meinem Monsieur nach langer Zeit wieder einmal nach Gruyères zu fahren.

Das mittelalterliche Städtchen Gruyères (unbekannt auch unter dem deutschen Namen "Greyerz") erstreckt sich auf einem isolierten Hügel am Alpennordrand - fährt man auf der Autobahn Richtung Bulle kann man es schon von Weitem dort am Nordostfuss des Moléson thronen sehen. Wenn das Wetter mitmacht und dunkle Wolkenmassen auf die Berge niederdrücken, sieht das Ganze besonders mittelalterlich, bedrohlich aus. Hat man weniger Glück und es scheint die Sonne, so blickt man auf eine Postkarten-Alpenländchen-Landschaft und ärgert sich darüber, dass so viele Touristen nach Gruyères fahren um sich das super unbekannte "Schloss Gruyères" und die, offenbar in ganz Europa einzige, Sahne mit einem anständigen Fettanteil zu kaufen.

Mein Monsieur und ich fuhren aber weder nach Gruyères um es uns in der äusserst passenden (damit will ich sagen regnerischen) Wetterlage anzusehen, noch um Sahne zu kaufen (was wir am Ende dann doch taten), sondern um endlich wieder einmal das H.R. Giger Museum zu besuchen.

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich nicht äusserst vertraut bin mit Gigers Biografie oder mit all seinen Werken (ja, ich muss tatsächlich Unwissen eingestehen... wer hätte geglaubt, dass dieser Moment kommen würde...). Was ich aber unbedingt erwähnen möchte und ich so richtig an Giger mag, ist neben seiner Kunst sein Vorname, den ihn sogleich als Alpenländchenbewohner identifiziert: Hansruedi.
Wirklich, es macht mich irgendwie glücklich, dass die Kunstszene des Alpenländchens es auch noch irgendwann geschafft hat einen Oscarpreisträger hervorzubringen.
Und diese ganze Preisträgerei hat er sich auch bestimmt verdient.
Jedenfalls bin ich davon überzeugt, wenn ihr mir nicht zustimmen möchtet, dann ist mir das auch Schnuppe.

Das Museum, welches ich zuletzt vor gut 3 Jahren besucht hatte, hat mich auch dieses Mal wieder von Neuem überzeugt. Ich mag das alte Gebäude mit seinen mehreren Stockwerken und engen Treppen, in welchem das Museum untergebracht wurde und welches zum Schloss St. Germain gehört. Das Museum eröffnete 1998, nachdem Giger 1997 das Schloss St Germain ersteigert hatte (einmal im Leben werde ich mir auch ein Schloss ersteigern).
2003 wurde übrigens auch eine Giger Bar gegenüber des Museums eröffnet. Bei unserem Besuch waren nur leider keine Plätze mehr frei.

Aber nicht nur das Museumsgebäude, sondern auch die Ausstellung selbst hat mich wieder in ihren Bann gezogen. Es gibt ja Leute, die Giger dem Surrealismus zuordnen - vielleicht ist das mit einer der Gründe, warum mir seine Werke gefallen, ich stehe total auf diese Surrealisten. Besonders fasziniert bin ich aber immer wieder von seiner handwerklichen Geschicklichkeit. Dabei gefallen mir aber seine Airbrush-Bilder nicht ganz so gut wie zum Beispiel seine Skizzen. Von den Skizzen bin ich sehr angetan, Giger hat einen klaren, starken Strich - eine interessante Art der Formulierung (nein, Experte nenne ich mich sicher nicht, aber ich führe gerne Monologe mit Kunst-Szene-Vokabular).
Desweiteren mag ich seine Werke aufgrund ihrer Thematik. Ja, natürlich können wir niemals in den Kopf des Künstlers blicken und daher uns nie sicher sein, was er genau aussagen wollte, das ist mir vollkommen bewusst ihr Lieben.
Und doch ziehen sich Motive aus Biologie, Sexualität, Mechanik und Technik wie ein roter Faden durch seine Werke und was ich besonders faszinierend finde, ist die Art, wie er diese kombiniert: Die Verschmelzung des Organischen mit der Technik. Mensch und Maschine, Geburt und Tod, Konstruktion und Destruktion. 
Ich muss zugeben, dass mich manche seiner Werke abschrecken oder gar anekeln, aber genau das ist es dann, was mich nochmals hinblicken lässt, was mich irgendwie doch fasziniert. In Gigers Werken erkennt man mit jedem neuen Blick etwas, das man zuvor noch nicht gesehen hat. Manche Bilder suggerieren drei Dimensionen, ziehen einem in einen seltsamen Bann und führen einen hinab ins Dunkel der hemmungslosen Abründe der Menschheit.

Manchmal mag ich es mich mit so etwas zu befassen.
Jawohl, so richtig hemmungslos!
Es kann ja nicht immer alles rosarot, Regenbogen, Glitzerstaub und Ponyhof sein.
Für schwache Mägen und Zartbeseitete ist das aber wohl eher nichts Grossartiges.
Und wenn ihr es doch versuchen wollt, dann guckt euch doch einfach erstmal Alien an.
Ach, was... Prometheus reicht auch schon.

Für alle, deren Nerven stark genug sind oder ganz einfach für eingefleischte Prometheus und Alien-Fans, ist ein Besuch im Giger Museum sicher zu empfehlen.
Solltet ihr also einmal das Glück haben im Alpenländchen zu weilen, dann macht euch auf den Weg nach Gruyères - dort gibts nicht nur Alpenländchen-Mittelalter und Sahne, sondern eben auch das Giger Museum. Ihr könnt dort also eine perfekte Mischung aus typischem Alpenländchen-Touristenort und Kunstszene geniessen.

Und da ich nach dem ganzen hemmungslosen Geschwärme, der Werbung und dem Giger-Fan-Gebrabbel ein klein wenig durstig bin, verabschiede ich mich nun an dieser Stelle.
Die nachfolgenden Informationen bezüglich der oben erwähnten Orte könnt ihr zur Kenntnis nehmen oder getrost ignorieren. 
Tut was auch gefällt.



HR Giger - Offical Website
HR Giger Museum
Gruyères

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