Nostalgie lässt sich tragen

25.1.13



Es ist  jetzt schon ein paar Jahre her, dass mir das erste Mal der Begriff Gothic Lolita zu Ohren kam. Nach etwas Recherche im Internet wurde mir klar, dass es sich dabei um einen Modestil handelt, der seinen Ursprung in Japan hat, jedoch an die Mode aus dem Viktorianischen Zeitalter und dem Rokoko in Europa angelehnt ist. In den 1990er Jahren gewann der Modestil durch Visual-Kei Musiker an Popularität, in Europa begann der Stil sich während der 2000er Jahre immer mehr zu verbreiten. Mittlerweile gibt es auch im Alpenländchen eine ganze Lolita-Community, die Treffen für Gleichgesinnte organisiert.

Die ursprüngliche From der Lolita-Kleidung bestand aus einem Knielangen Rock oder Kleid mit Glockenform und einem unterstützenden Petticoat, dazu wurden Blousen, Strümpfe und Kopfbedeckungen getragen. Die Mode hat sich aber im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt und so gibt es nun verschiedene Lolita-Stile wie z.B. Gothic Lolita, Sweet Lolita oder Classic Lolita, die sich, was die Farbwahl der Outfits, Accessoires und Schnitte der Kleider angeht, voneinander unterscheiden.
Um einen Überblick über die verschiedenen Stile zu erhalten, habe ich mich in den Lolita-Internet-Communities und auf Lolita-Blogs herumgetrieben. Dabei habe ich auch die Stile entdeckt, welche mich am meisten ansprechen: Classic Lolita und Kuro Lolita.




Momentan ist es in Europa noch etwas umständlich Lolita-Mode zu kaufen. In Japan ist sie bereits so populär, dass man sie im Kaufhaus kaufen kann. Dabei achten eigefleischte Lolitas natürlich auf die Qualität der Ware: In der Lolita-Szene ist es wichtig, dass man keine allzu billige Spitze, zu heftig glänzende Stoffe und Schnitte, die der eigenen Figur nicht schmeicheln, trägt. Man achtet darauf, dass die Kleider aus hochwertigen Stoffen wie z.B. Baumwolle gefertigt sind. Röcke sollten immer so lang sein, dass der Petticoat darunter nicht zu sehen ist, ausserdem ist es bis auf den Ero-Lolita Stil verpönt zu viel Haut zu zeigen.

Bei all dieser Hochwertigkeit kann es natürlich nicht allzu billig zu und her gehen: Lolita ist, auch wenn manche Leute das gekonnt zu umgehen wissen, ein teures Hobby. Kleider eines Labels wie Angelic Pretty oder Baby the Stars shine bright können neu gut an die 300 Euro und mehr kosten.

Da Lolitas in der Regel aber sehr auf ihre Kleidung acht geben, können die Kleider auch getrost Secondhand gekauft werden - sie sind meistens noch so gut wie neu.
Bestimmt werdet ihr diese Bemerkung nicht von jeder Lolita hören - ich muss ganz einfach zugeben, dass ich mir so ein Kleid für 300 Euro als Studentin nicht leisten kann/will und mir daher andere Wege suche an so eines ranzukommen.




Momentan bin ich noch ein Frischling in der Welt der Lolita-Mode. Ich habe mir in England meine ersten zwei Blousen und mein erstes Paar Mary Janes gekauft. Ich bin noch auf der Suche nach einem passenden Rock, der meinem Sinn von Preis-Leistungs-Verhältnis entspricht.
Auch wenn ich mich schon seit Jahren für die Mode interessiere, gehe ich erst am Samstag auf mein allererstes Lolita-Treffen. Eine Freundin von mir, die schon länger in der Szene ist, ist so unglaublich lieb mir ein Kleid zu leihen und mit mir da hin zu gehen.

An dieser Stelle: Wenn ihr euch nicht ganz sicher seid, ob die Mode wirklich etwas für euch ist, versucht Kontakt zu jemandem aufzunehmen, der/die schon dabei ist und fragt, ob ihr eventuell mal etwas anprobieren oder auf ein Treffen mitgehen könntet.
So gebt ihr nicht gleich Unmengen an Geld aus ohne zu wissen, ob euch das Ganze auch wirklich steht. Das hört sich vielleicht etwas seltsam an, aber ich bin meiner Freundin echt dankbar, dass ich durch sie einen solchen Einstieg in die Szene erhalte. Falls es mir an dem Treffen nicht gefällt, werde ich mir auch ganz einfach kein eigenes Kleid kaufen.





Sind es die hübschen Drucke, die Kniestrümpfe und Mary Janes oder ganz einfach die Faszination für eine längst vergangene Zeit, die mich Lolita mögen lassen?
Ich weiss es nicht. Und wirklich wichtig ist es auch nicht.
Ihr könnt es Nostalgie, Weiberkram oder Interesse an einer speziellen Form von Ästehtik nennen, ist mir alles recht.

Was ich aber sogleich klar stellen möchte: Es gibt Menschen, für welche Lolita nicht nur ein Modestil, sondern eine Lebenseinstellung ist. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht. Ich mag die Kleidung, ich ziehe mich gerne so an, aber ich könnte damit schlecht im Alltag herumlaufen.  Daher gehe ich jetzt auch zuerst einmal auf ein Treffen, bevor ich anfange mir wirklich eine Lolita-Garderobe zuzulegen.

Für das Treffen am Samstag durfte ich mir von meiner Freundin ein schönes, langärmliges Kleid der Marke "Victorian Maiden" in Dunkelblau leihen. Ich freue mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten es tragen zu dürfen! Wahrscheinlich werde ich meinem Kommuniktationszwang nachgeben müssen und euch von dem Treffen erzählen.

Ich habe euch ja sowieso La Belle Epoque versprochen.
Die sollt ihr auch haben.
Bald.

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