Von andauerndem Grau

13.3.13



Alles ist grau.

Der Himmel ist grau, die Strassen sind grau, die Bäume ohne Blätter wirken grau, ja sogar die neongelben Sicherheitsaufkleber, die Erstklässler davor bewahren jämmerlich überfahren zu werden, wirken nicht ganz so schrill wie sie das eigentlich tun sollten.

Die Welt ist einfach nur grau.
Und das nun schon seit Wochen.

Wenn ich des Morgens aufstehe und das Fenster öffne, entfährt mir jedes Mal ein gequältes Stöhnen, weil mir auch an diesem Tag nicht die Sonne entgegen lacht sondern das öde, immer gleiche Grau mich schadenfroh angrinst.

Es will einfach nicht verschwinden.
Nein, es hat es sich hier wunderbar gemütlich gemacht. Ist doch auch eine überaus spassige Aufgabe die sonst so gewissenhaften und fleissigen Alpenländchenbewohner, die sich seit Jahren über keine grössere Naturkatastrophen zu beschweren haben, einmal ordentlich zu ärgern.
Das Grau hat es sich zur Aufgabe gemacht uns, kurz vor dem ersehnten Frühlingserwachen, noch einmal kräftig eine reinzuhauen.

Niemand freut sich darüber morgens aufzustehen, niemand mag zur Arbeit, Uni oder Schule gehen, alle sind genervt und brauchen dringend etwas Sonnenlicht um das mangelnde Vitamin D zu kompensieren.
Das fehlende Vitamin macht die Leute zunehmend nervtötend, auf ganzer Linie unerträglich und verursacht so manches, im Sonnenlicht völlig unnötiges, Missverständnis und Gezänk.

Das Universitätsgebäude, dem man im Sonnenlicht vielleicht etwas Erhabenes zusprechen könnte, wirkt wie eine monströse Riesenfabrik zur Produktion von griesgrämig dreinblickenden Subjekten. Im Lesesaal starren alle stur auf ihre Laptops und Papiere um ja nicht einen Blick auf das hässliche Grau vor dem Fenster erhaschen zu müssen. In den Seminarzimmern zieht man die Vorhänge zu - Vorwand: Besserer Blick auf die Powerpoint Präsentationen der Herren und Frauen Professoren, wahrer Grund: Um bloss nicht nach draussen schauen zu müssen.
Die Gänge wirken dunkel ohne das goldene Schimmern der Sonne und das schummrige Licht in den Auditorien gähnt einen an.
Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass das Grau und die damit verbundene feuchte Kälte einem auch daran hindern das wohlverdiente Mittagessen draussen zu geniessen.
Alle pferchen sich gemeinsam in die Mensa. Aber das ist eigentlich ein Thema für sich.

Vielmehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Meine Tage sind grau und bleiben voraussichtlich noch eine Woche lang so. Es fühlt sich an, als ob diese widerwärtige Farbe allmählich durch das Fenster hier hinein in den Lesesaal, durch meine Kleidung und Haut hindurch in meine Seele kriechen würde.
Moment: Dafür bräuchte man eine Seele, oder?
Ah, wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls erinnert mich dieses grauenvolle Wetter, welches das Alpenländchen jetzt schon fast den ganzen Februar und den halben März lang tapfer erträgt, an Stellen aus dem Buch "Momo" von Michael Ende. Wie ging das nochmals mit diesen grauen Männern?

Mal im Ernst: Bin ich aus England zurückgekommen um nun hier deren Hundewetter zu ertragen?!

Besser ich arbeite ganz einfach fleissig weiter.
Vielleicht zeigt sich die Sonne ja dann gefühlte fünf Minuten früher.

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