Greenfield Festival 2013

17.6.13


Als Besucher eines guten Festivals vergisst man in der Regel für ein paar Tage die Realität.
Alles wird irgendwie der Wirklichkeit entrückt und scheint in einem ganz anderen, helleren Licht.
Dass man an einem Festival selten trocken bleibt - sei es aufgrund von Regen oder Schweiss, ist kein Grund aus dem Boot aussteigen zu wollen.

Man wird Teil einer ganzen, grossen, feiernden und ausgelassenen Masse und die Individualität rückt an einen bescheidenen Ort.
Man vergisst sie natürlich nicht, aber für ein paar Tage ist man einfach einmal Freund mit allen und jedem.
Schlaf holt man sich nur so viel wie nötig, man trinkt und isst bis zum Platzen, die Emotionen sind ganz gross. Die Musikfestivals unserer Zeit wirken fast wie ein Überbleibsel des römischen Brauches von Brot und Spielen.
Sobald man das Eisengitter, welches den Eingang markiert, passiert hat und sein Ticket gegen ein Festival-Bändchen eingetauscht hat, ist man mitten drin und voll dabei.

Dieses Jahr habe ich mir einen solchen Ausflug in die verzerrte Wirklichkeit der Festivals wieder einmal gegönnt. Ich besuchte zusammen mit ma soeur und einer ihrer Freundinnen das Greenfield Festival 2013 in Interlaken.
Ich beschwere mich ja immer wieder gerne darüber, dass das Alpenländchen kein besonders interessantes Land ist. Nichts hier ist wirklich ausgeflippt. Die Mehrheit der Alpenländchenbewohner ist eigentlich ziemlich langweilig.
Aber an einem Festival wie dem Greenfield versammeln sich einmal im Jahr all die Leute, all die Alpenländchenbewohner, die genau diese Langeweile satt haben.
Die Seriosität wird abgelegt, es wird gelacht, geschrieen, gesungen, getanzt.





Ich muss jedoch zugeben, dass wir es uns ein bisschen angenehmer gestalten wollten, als an den Festivals zuvor und daher nicht auf dem Zeltplatz übernachteten. Natürlich gehört zum ultimativen Festival-Gefühl auch der Zeltplatz, aber bei den Sturmwarnungen, die ein paar Tage zuvor herausgegeben worden waren, waren wir dann doch erleichtert, dass wir nach Ende des letzten Konzerts jeweils in ein geheiztes Zimmer mit warmer Dusche zurückkehren konnten.

Ich war beeindruckt wie gut das Greenfield Festival organisiert war. Es gab wirklich alles, wonach ein Festivalbesucher verlangen konnte: Verkaufsstände, genug saubere Toiletten und ToiTois, Ess- und Getränkestände in einer angemessenen Anzahl, Partyzone, zwei Bühnen, Sanitäter, Security und sogar einen Bankautomaten auf dem Festivalgelände.

Die Musik, die gespielt wurde war ganz nach meinem Geschmack.
Ich war sowieso eigentlich wegen der Musik hingefahren. Dieses Jahr hatten wir das Glück am ersten Abend als Hauptact Rammstein sehen zu können. Es war schon länger ein Wunsch von mir gewesen sie live zu sehen. Als sie das letzte Mal ein Konzert im Alpenländchen gaben, war es leider sofort ausverkauft gewesen, da Ticketcorner die Anzahl Tickets pro Person nicht reguliert und so einige Stunden nach Verkaufsbeginn schon tausende Tickets auf dem Graumarkt für das vierfache des ursprünglichen Preises verschachert wurden. Aber das ist eine andere (miese) Geschichte.

Jedenfalls war ich tief beeindruckt von dem Konzert und freute mich wie ein Hongikuchenpferd mit dabei zu sein. Rammstein wurden ihrem Ruf mehr als gerecht.
Aber auch die anderen Bands waren meiner Meinung nach sehr gut. Besonders gut fand ich die Shows von Caliban, Burry Tomorrow, Betraying The Martyrs, Bullet for my Valentine und Within Temptation. 


Caliban gaben sogar eine Autogrammstunde, auf der ma soeur und ich Autogramme und sogar ein Foto mit der Band ergatterten.
Bei Bullet for my Valentine schafften wir es in die erste Reihe - das war schon klasse. Ich sah sie schon zum dritten Mal live, aber ich fand sie noch immer so gut wie beim ersten Mal, als ich sie damals auf dem Sonisphere Festival gesehen hatte.




Eher enttäuscht waren wir jedoch von Slayer. Die Band hatte unserer Meinung nach wenig Energie, die Musik war viel zu laut eingestellt, der Bass und das Drum dröhnten in den Ohren und die wenigen Ansprachen des Sängers liessen die Band eher arrogant rüberkommen.
Ich muss zwar auch gestehen, dass ich sowieso nie eine grosse Bewunderin von Slayer war. Ich sah sie am diesjährigen Greenfield Festival zum zweiten Mal und war wieder so enttäuscht wie beim ersten Mal. Das nächste Mal werde ich sie wohl lieber auslassen.

Den Hauptact des zweiten Abends, The Prodigy habe ich ehrlich gesagt nicht mitbekommen, da ich unglaublich müde war und ins Bett musste. Nightwish musste ich leider auch verpassen, da der letzte Zug zurück nach Hause noch vor ihrem Auftritt fuhr und wir nicht die Nacht auf dem Festivalgelände bei Regen und Gewitter durchmachen wollten. Das Hotel hatten wir nur für zwei Nächte gebucht, da wir bei der Buchung noch nicht gewusst hatten, dass Nightwish am letzten Abend auftreten würden.
Da aber meine Nightwish-Fan-Zeit sowieso ziemlich vorüber ist, war ich auch gar nicht so enttäuscht.

Jedenfalls sah ich am letzten Abend noch die Show von Airbourne, die mir gut gefiel. Ich ass zwar derweilen und stellte mich nicht mitten ins Gedränge, aber die Musik hatte bis in die letzten Reihen ihre Wirkung.


Alles in allem war es ein tolles Festival. Das Highlight war für mich persönlich der Auftritt von Rammstein. Verschwitzt, schmutzig, staubig, mit gebräunten Gesichtern und stinkend kamen wir schliesslich gegen zwölf Uhr abends am heimischen Bahnhof an.
Das Festival wirkt aber noch nach.

Nackenschmerzen wird man erst nach einer halben Woche los, heute schneidere ich mir mein neues Marilyn Manson T-Shirt zurecht und ich werde noch mindestens zwei Wochen nur Rammstein hören.
Ich melde mich wieder, sobald ich mich erholt habe.

Reise, Reise
Seemann Reise,
Jeder tut's auf seine Weise 

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