Zu Besuch bei Herrn Wagner

1.7.13


Dass das Alpenländichen so klein ist, hat auch seine Vorteile.
Einer davon ist das General-Abonnement, kurz "GA", der Schweizerischen Bundesbahnen. Obwohl man dafür ein beachtliches Sümmchen hinblättern muss, profitiert man als tägliche Pendlerin ganz schön davon.
Dieses General-Abonoment erlaubt es nämlich, dass man für ein Jahr sämtliche Züge, Busse, Linienschiffe, Strassen- und U-Bahnen und einige Bergbahnen in der ganzen Schweiz benützen kann, ohne dass man noch ein Ticket dafür kaufen muss.
So ein Abonnement kann auch nur in einem kleinen Land möglich sein.

Ein weiterer Vorteil dieses Abonnements ist, dass man jährlich einen Gutschein erhält mit dem man ein Tages-General-Abonnement für eine beliebige Person lösen kann.
Als ich letzte Woche bemerkte, dass dieser Gutschein bald ablaufen würde, lud ich kurzerhand meine Freundin Cookie ein eine Tagesreise mit mir zu unternehmen.
Was wir unbedingt an diesem Tag erleben wollten, war: Ein bisschen Kultur, eine längere Zugreise, eine Schifffahrt und eine Stadt erkunden.
Mit diesen Kriterien suchten wir nach einem geeigneten Ort und einer geeigneten Route und kamen so auf die Idee nach Luzern zu fahren um das Richard Wagner Museum Luzern zu besuchen.

Auch wenn ich eigentlich nicht sehr viel über klassische Musik weiss, wollte ich doch dieses Museum einmal besuchen. Manchmal hat das Alpenländchen eben doch noch das eine oder andere zu bieten, dass man sich als sein Bewohner kaum entgehen lassen darf.
Ein Haus, in dem einst Richard Wagner wohnte und das nun als ein Museum über sein Leben und Werk in der Schweiz fungiert, gehört ganz einfach zu diesen Dingen.

Wir machten uns also früh morgens auf den Weg nach Luzern und kamen dort gegen zehn Uhr an.
Wir fanden ein Schiff, welches am Museum vorbei fahren würde und beschlossen um 13 Uhr zum Bootssteg zurückzukehren um dieses zu nehmen.

Den Morgen verbrachten wir in der Stadt. Luzern gehört ja meiner Meinung nach zu den schönsten Städten unseres Landes. Ich habe meine eigene Favoriten-Liste was Schweizer Städte betrifft und Luzern ist da ziemlich weit oben.
In der hübschen Altstadt mit den bunt bemalten Häusern und den mittelalterlichen Brunnen kann man herrlich herumspazieren und shoppen gehen. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter und es regnete immer wieder.
Am Mittag verpflegten wir uns in einem mexikanischen Restaurant mit riesigen Bouritos.
Scharf, aber schmackhaft.

Nach dem Essen ging es zurück zum Bootssteg um das Schiff zum Wagner Museum zu nehmen.
Das Schiff war winzig im Vergleich zu den grossen, herausgeputzten Sightseeing-Schiffen für die Touristen, aber als wir es betraten fühlten wir uns sofort wohl. Es war irgendwie einfach gemütlich, wenn auch ziemlich altmodisch ausstaffiert.
Ihr Name war übrigens "Rütli".


Das Richard Wagner Museum liegt etwas ausserhalb der Stadt direkt am See auf einem kleinen Hügel. Vom Bootssteg zum Museum braucht man zu Fuss etwa fünf Minuten und als wir wieder zurück in die Stadt fuhren, konnten wir einen Bus nehmen, der nur 10 Gehminuten vom Museum entfernt in die Stadt fährt. Die Schiffe fuhren leider nur alle zwei Stunden zurück.

Das Museum liegt mitten in herrlicher, hügeliger, grüner Landschaft und vom zweiten Stock des Hauses aus kann man auf den Vierwaldstätter See und die Berge sehen. Wäre ich Wagner gewesen, hätte ich auch nicht nein zu dem Haus gesagt.


Das Museum wirkte freundlich und einladend, draussen gab es ein kleines Café, das bei schlechtem Wetter aber leider zu ist. Die Angestellten empfand ich als freundlich und hilfsbereit.
Die Ausstellung war auf zwei Stockwerke verteilt und zeigte ausschliesslich Dokumente und Objekte aus dem Leben und Werk Richard Wagners mit einem Fokus auf seine Zeit in der Schweiz.

Im Moment werden ausserdem Aufführungen, Konzerte, Führungen durch das Haus und weitere Aktivitäten angeboten, da ja der 200. Geburtstag Wagners dieses Jahr mit einem Jubiläum gefeiert wird.

Ich muss zugeben, dass ich mich zuvor nie gross für Wagner interessiert hatte und er mir eigentlich nur ein Begriff war, weil ich mal einen Teil seiner "Nibelungen" gehört und toll gefunden hatte und weil mir in Verbindung mit Frauen des Dritten Reichs Winifried Wagner ein Begriff ist.
Natürlich hatte ich auch schon des öfteren gehört, dass es sich bei Wagner um einen Frauenhelden und radikalen Antisemiten gehandelt hatte (nicht zu vergessen, dass er auch noch als Hitlers Lieblingskomponist gilt).

Nach dem Besuch in dem Museum hatte ich aber nicht das Gefühl, dass seine Person dort geschönt wurde. Es wurde ziemlich neutral sein Leben wiedergegeben. Es gab eine Auswahl seiner antisemitischen Schriften zu sehen und man erfuhr so einiges über seine Frauengeschichten.
Nach dem Besuch in der Ausstellung halte ich ihn jedoch jetzt für eine äusserst interessante Persönlichkeit und würde nicht nein dazu sagen, einmal eine Biografie über ihn zu lesen.

Nach dem Besuch im Museum ging es, wie schon erwähnt, zurück in die Stadt, wo wir den Zug zurück nach Hause nahmen.
Der Tag wurde als Erfolg verbucht.


Offizielle Seite des Richard Wagner Museums Luzern

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