Berlin, baby!

19.1.14


Schon als wir kleine Mädchen waren, hatten ich und ma soeur den Wunsch einmal an Silvester vor dem Brandenburger Tor zu stehen. Jedes Silvester sahen wir uns im Fernsehen den Countdown vor demselben an und wünschen uns mit dabei zu sein, das Feuerwerk zu sehen und mit  zu jubeln, wildfremden Menschen um den Hals zu fallen.
Also beschlossen wir Silvester 2013 in Berlin zu verbringen.

Das schöne Berlin hat mir schon 2011, als ich es zum ersten Mal besucht habe, das Herz gestohlen. Berlin ist von all den europäischen Städten, die ich bisher gesehen habe, meine Liebste und wird es wohl immer bleiben. Nein, da kann nicht einmal Bern mithalten.

Jedenfalls wollten wir nicht nur die Silvesternacht über bleiben, sondern verbrachten schliesslich fünf Tage in unserer Lieblingsstadt und füllten sie mit reichlich Aktivitäten.



Wir landeten bereits gegen 10 Uhr morgens auf dem Flughafen Berlin-Tegel, fuhren zu unserem Hotel am Kurfüstendamm und waren gegen Mittag bereit für die erste Shopping-Tour.
Die führte uns zu Primark. Ja, das Alpenländchen ist noch nicht gesegnet mit einer Filiale der irischen Ladenkette, die ich schon in London und Cambridge gestürmt hatte.
Ich muss jedoch sagen, dass mir mittlerweile die Euphorie am Primark-Shopping vergangen ist und ich eigentlich nur hingegangen bin um ma soeur den Wahnsinn dieses Ladens mit eigenen Augen sehen zu lassen.

Danach waren wir fix und fertig, gingen Abendessen und früh zu Bett. Der zweite Tag sollte nämlich besonders anstrengend werden.


Am zweiten Tag kamen wir gegen 09:45 Uhr am Bahnhof Wandlitzsee, einige Kilometer ausserhalb von Berlin an. Dort wurden wir mit dem Auto abgeholt und zum Gelände der ehemaligen FDJ-Hochschule am Bogensee gefahren. Wir nahmen teil an einer fünfstündigen Fototour von go2know und konnten die leerstehenden, mittlerweile zerfallenden Gebäude der FDJ Hochschule auf eigne Faust erkunden.

Mit Kamera und Geländeplan bewaffnet gingen wir auf Entdeckertour. Die Tour hat sich sehr gelohnt, so sehr, dass ich ihr demnächst einen eigenen Post widmen werde.

 Das Gelände gab nicht nur für Fotografen ordentlich etwas her, sondern auch für Geschichtshungrige: Auf dem Grundstück, das heute der Stadt Berlin gehört, errichtete während des Zweiten Weltkriegs der Propaganda Minister Joseph Goebbels seinen Landsitz, nach dem Krieg wurde es von den Russen verwaltet und als Lazarett genutzt, bis schliesslich die FDJ-Hochschule während der DDR das Gelände für sich in Anspruch nahm. Nach der Vereinigung wurden die Gebäude noch als Hotels und für Konferenzen gebraucht. Seit 2005 steht der Gebäudekomplex leer.


Den Morgen des dritten Tages verbrachten wir im Reichstag. Wir hatten eine Führung mit historischen Schwerpunkt gebucht und amüsierten uns prächtig. Ma soeur war fasziniert vom ausgeklügelten Lüftungssystem des Gebäudes und mir gefiel die Architektur sehr, sehr gut. Nicht, dass ich die eher auf Praktikabilität ausgelegten Räumlichkeiten unserer Regierung nicht auch schätzen würde, aber der Plenarsaal ist schon ziemlich schick.

Dank Sonnenschein schafften wir es auch auf die Dachterrasse und die Kuppel. Es war ein herrlicher, sonniger Morgen und Berlin zeigte sich in seiner ganzen Pracht.


Wir schlenderten dann noch am Brandenburger Tor vorbei und sahen uns die Silvestervorbereitungen an. Danach düsten wir zum Kurfürstendamm und vergnügten uns auf einer grösseren Shoppingtour.


Ja und dann war auch schon Silvester! Den Morgen und Nachmittag verbrachten wir in Potsdam. Ma soeur wollte unbedingt Schloss Sanssouci besuchen und ich war natürlich auch nicht abgeneigt. Wir machten uns also schon früh auf den Weg und waren etwa eine Stunde nach Öffnung beim Schloss. Leider war der Schlossgarten nicht besonders attraktiv, aber dafür hatten wir die falsche Jahreszeit gewählt. Das Schloss lässt sich aber auf jeden Fall sehen, auch wenn es im Vergleich zu Schloss Schönbrunn oder Versailles eher mickrig wirkt.

Die Führung hat uns allerdings nicht gefallen. Es war obligatorisch einen Audioguide anzuhören (den man mir auf Französisch eingestellt hatte - ein Glück, dass ich mehrerer Sprachen mächtig bin!) und man wurde von der Gruppenführerin in den Räumen eingeschlossen. Ja, genau - eingeschlossen. Tür zu hinter der Gruppe und Schlüssel umgedreht. Bestimmt gibt es Gründe dafür, aber ich fühlte mich nicht sehr wohl dabei.


Ganz anders sah es da schon im Neuen Palais aus: Erstens war dieses gigantisch, zweites war die Führung in diesem Gebäude wirklich interessant und wurde von einem echten Menschen und nicht von einem schnarchlangweiligen Audioguide gemacht.
Schade nur, dass der Marmorsaal bis 2017 für Restaurationsarbeiten geschlossen bleibt. Ich hätte ihn zu gerne gesehen! Jedenfalls waren ma soeur und ich uns einig, dass es 2017 eine erneute Reise nach Berlin gibt. Wir wollen unbedingt diesen Saal sehen!


Auch sehr prächtig: Die Universität Potsdam! Einen Teil ihres Campus kann man bewundern, wenn man das Neue Palais verlässt. Früher dienten die Gebäude als Wirtschaftsgebäude. Uns wurde bei der Führung im Neuen Palais erklärt, dass die Gebäude nur von aussen so schick aussehen - es handelt sich um pure Fassade, damit Besucher des Neuen Palais beim Heranfahren beeindruckt wurden. Friedrich der II. war ein ziemlicher Angeber.

Aber ich muss zugeben, dass er mir eigentlich ganz sympathisch ist. Ich mag diese Anekdote, wonach Friedrich II. sich wann immer er ein Problem zu lösen hatte auf einen anderen Planeten gedacht hat um ungestört zu einer Lösung zu kommen.

Den Silvesterabend wollten wir dann vor dem Brandenburger Tor verbringen, wie wir uns das immer schon ausgemalt hatten.
Nur leider machten uns eine Million anderer Besucher einen Strich durch die Rechnung.
Die U-Bahn zum Brandenburger Tor wurde schon um fünf Uhr abends geschlossen. Ab neun Uhr waren sämtliche Zugänge zum Regierungsviertel abgeriegelt und man hatte keine Chance mehr zum Brandenburger Tor zu kommen.

Die Polizei hatte aus Sicherheitsgründen ganz Berlin Mitte abgeriegelt. Kein Zutritt.
Wir waren erst ziemlich enttäuscht, machten dann aber die Bekanntschaft von vier Deutschen, die unsere Enttäuschung teilten und beschlossen alle gemeinsam auf dem Alexander Platz zu feiern.
Dabei stellte ich mir vor, dass es sich wohl ein bisschen so angefühlt haben musste, als die Mauer noch stand.

Als Alpenländchenbewohnerin ist es mir noch gar nie aufgefallen, aber wir können uns tatsächlich ziemlich unbeschränkt bewegen. Selten werden bei uns Strassen derartig gesperrt und sehr selten ist uns der Zutritt in ein ganzes Stadtviertel verwehrt. Es war ein seltsames Gefühl.

Mit ordentlich Rotkäppchen-Sekt und Glühwein vertrieben wir unsere Enttäuschung aber irgendwann und jubelten schliesslich, als um 00:00 ein riesiges Feuerwerk über unseren Köpfen das neue Jahr begrüsste.

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