Zu Besuch bei modernen Prinzessinnen

5.1.14

Foto von Pyl

Zu Beginn des neuen Jahres gibt es keine guten Vorsätze, sondern einen letzten Post aus dem vergangenen Jahr.
Da im schönen Alpenländchen mehrere Sprachen gesprochen werden, gibt es nicht nur eine deutsche Lolita-Gruppe, sondern auch eine französischsprachige. An meinem ersten Lolita-Treffen vor einem Jahr in Kandersteg, stiess ich bereits auf zwei französischsprachige Lolitas. Ich verstand mich damals so gut mit ihnen und wir hatten auch in darauf folgenden Treffen so viel Spass miteinander, dass sie mich einluden auch an den französischsprachigen Treffen teilzunehmen.

Bisher war ich zweimal dabei, wenn die "Lolita Suisse Romande"zusammenkamen und habe diese Treffen als sehr gemütlich, spassig und gut in Erinnerung.
Im Alpenländchen stellen die Sprachgrenzen oft ein Problem dar - da ich aber sehr nahe der Sprachgrenze Französisch/Deutsch lebe, bin ich quasi damit aufgewachsen, dass Leute in meiner Umgebung zwei Sprachen sprechen. Obwohl ich nicht zweisprachig erzogen wurde, kann ich mich doch ganz gut  mit meinem Französisch durchschlagen und war daher gerührt, als die Mademoiselles der französischsprachigen Gruppe so auf mich zukamen.

Manchmal fühle ich mich ein bisschen "eingeklemmt" zwischen den beiden Gruppen, da ich nicht genau weiss ich in welche ich denn nun eigentlich jetzt gehöre. Sprachlich gesehen würde ich mich sofort der deutschen Gruppe zuordnen, geografisch gesehen würde ich aber doch eher in die Gruppe der Romands gehören.
Man gewöhnt sich jedoch an dieses Gefühl und es ist ja eigentlich auch schön, wenn man quasi zwischen "zwei Welten" hin und her wechseln kann. Denn auch wenn man es vielleicht nicht glauben mag - es gibt ja doch grosse Unterschiede zwischen französischsprachigen und deutschsprachigen Alpenländchenbewohnern und diese fühlt man mitunter auch im Umgang mit den Lolitas (bisher aber eigentlich nur im positiven Sinne).

Was ich besonders schön finde ist, dass wir in der deutschen Gruppe eigentlich immer darauf achten alle Sprachgruppen einzubeziehen. Wir organisieren Treffen immer so, dass auch französischsprachige Lolitas teilnehmen können. Mittlerweile haben wir sogar die eine oder andere Lolita aus dem Tessin mit dabei!

Jedenfalls habe ich dann mitbekommen, dass die französischsprachigen Lolitas gut ein Jahr zusammen mit der Fotografin Natalia Mansano an einem Foto-Projekt gearbeitet haben. Vom 2.-10. Dezember 2013 haben sie dieses Projekt dann im Espace 25 in Fribourg ausgestellt.
Besonders toll fand ich, dass die Ausstellung zweisprachig gemacht wurde. So konnten auch die deutschsprachigen Lolitas davon profitieren.
Ich hatte mich während der Projekt-Phase auch etwas engagiert und vier Texte vom Französischen ins Deutsche übersetzt.

Foto von Pyl

Am 2. Dezember 2013 fand im Espace 25 die Vernissage statt. Der zweisprachige Titel der Ausstellung lautete: Portraits de Lolitas: princesses modernes/ Lolita Porträts: moderne Prinzessinnen.
Die Lolitas Sussie Romandes hatten sich von Natalia portraitieren lassen - jede und jeder in einem Outfit ganz ihrem/seinem Stil und Vorlieben entsprechend. Dazu hatten sie Texte geschrieben, die erklären was sie dazu bewegt hatte sich mit der Lolita-Mode auseinander zu setzten.
Die Ausstellung gab einen guten Überblick über die verschiedenen Substile der Lolita-Mode und die Texte waren teilweise rührend persönlich. Sie hatten sich alle wirklich grosse Mühe gegeben und die Vernissage war ein Erfolg. Auch das Buffet war klasse!

Foto von Pyl
Am letzten Tag der Ausstellung besuchte ich noch einmal Pyl und erfuhr von ihr, dass die Ausstellung doch auf einiges Interesse gestossen war. Sie hatte die Galerie ein paar Tage beaufsichtigt und dabei doch eine ansehnliche Besucherzahl vermerken können. Ich war erstaunt aber auch überaus erfreut, dass die Lolita-Mode in Fribourg und überhaupt in der Schweiz scheinbar auf Interesse stiess.

Im Moment steht noch vieles in den Sternen, aber ich hoffe doch, dass dieses Projekt vielleicht weitergeführt werden können oder, dass die deutschsprachige Gruppe vielleicht etwas ähnliches in Angriff nehmen könnte. Es wäre ja doch schön diese ganz spezielle Mode mit ihrer eigenen Ästhetik den Menschen näher zu bringen. Es geht uns dabei nicht darum, dass wir Leute überreden möchten mitzumachen, sondern vielmehr möchten wir zeigen, dass es sich bei Lolita überhaupt nicht um etwas Schlimmes oder Anzügliches handelt.

Die liebe Jiny als Steampunk Lolita
und ich als Classic Lolita
an der Vernissage

Wir haben ja doch leider immer wieder damit zu kämpfen, dass "Lolita"-Mode immer wieder mit Vladimir Nabokovs Buch "Lolita" in Verbindung gebracht wird.
Um herauszufinden warum die Japaner diesen Modestil überhaupt "Lolita" nannten und inwiefern er in Bezug zu Nabokovs Buch steht, habe ich mich daran gemacht darüber zu recherchieren und lese im Moment Nabokovs Buch. Sobald ich ein paar Ergebnisse zu präsentieren habe, werde ich das hier auf jeden Fall tun.

Bis dahin erfreue ich mich ganz einfach weiter an dieser ganz speziellen Ästhetik, die ich und andere in der Lolita-Mode entdeckt haben.

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