Ein Wienerschnitzel

10.6.14



Lange, lange ist es jetzt schon her.
Justitia hat mich ganze drei Monate für sich eigenommen, hat mich in eine ihrer Bibliotheken gesperrt und stand mit erhobenem Zeigefinger vor mir, wenn ich aufstehen wollte um raus zu gehen und die  Sonne zu geniessen. Aber nun mache ich ein paar Wochen Pause von dem ganzen Büffeln und hoffe, dass die gute Justitia, die es ja eigentlich wirklich nur gut mit mir meint, nächstes Semester vielleicht ein Bisschen nachsichtiger sein wird.

Lange ist es auch schon her, dass ich nach Wien gereist bin um eine liebe Freundin von mir zu besuchen, die in dieser zauberhaften Stadt voller Erinnerung an den Prunk vergangener Zeiten lebt.
Ich fuhr im Februar mit dem Zug direkt ab Zürich nach Wien Westbahnhof und kam für vier Tage bei meiner Freundin Eva unter.

Wundervolle vier Tage habe ich in Österreichs Hauptstadt verbracht. Bereits zum dritten Mal war ich dort gewesen, aber auch dieses Mal war es alles andere als langweilig. Eva zeigte mir ihr ganz persönliches Wien. Die ganzen Touristenattraktionen hatte ich ja schon bei meinen vorherigen Besuchen gesehen, daher konzentrierten wir uns auf andere Dinge.
Wir haben beide eine grosse Leidenschaft für Literatur und da Eva Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien studiert, kennt sie eine Menge ganz wunderbare Orte für Büchersüchtige.

Wir besuchten die Bibliothek des Rathauses, die mich nicht nur ihrer Architektur wegen überzeugte, sondern auch weil das Personal so freundlich war und sie dort noch alte Gesetzbücher aus dem Kaiserreich und dem angeschlossenen Österreich aufbewahren! Ausserdem gibt es in dem Rathaus noch alte Pater-Noster-Aufzüge, die wir natürlich gleich ausprobieren mussten.






Wir besuchten auch die Nationalbibliothek, die ich bisher auf meinen Touristentouren noch nicht gesehen hatte und ich war überaus beeindruckt von dem prunkvollen Gebäude. Überhaupt erstaunt es mich immer wieder auf meinen Reisen durch Europa wie prachtvoll die Gebäude in den Städten der alten Königreiche sind. Im Alpenländchen setzte man halt schnell einmal auf Praktikabilität anstelle von  Prestige. Aber auch wenn man weiss wie viel Leid an den prachtvollen Gemäuern klebt, so kann man doch nicht umhin sie zu bestaunen. Ich finde sie einfach wunderschön.




Wir machten ausgiebige Spaziergänge durch die Stadt, sassen in hübschen und gemütlichen Kaffeehäusern um den Wiener Kaffeehaus-Lebensstil zu geniessen, gingen auf dem Rathausplatz Eislaufen und besuchten sogar das Burgtheater um Der Ignorant und der Wahnsinnige zu sehen. Natürlich mussten wir auch ein paar Buchhandlungen unsicher machen, den Stephansdom erklimmen und die Universität Wien besuchen.




Ich bin furchtbar eifersüchtig auf all die Studenten, die im Hauptlesesaal der Universität Wien lernen dürfen. Vielleicht fällt es euch allen längst nicht mehr auf, wenn ihr jeden Tag dort verbringt, aber dieser Lesesaal ist einfach wunder, wunderschön! Überhaupt dieses Gefühl durch ein Gebäude zu gehen, in dem einst Männer wie Hugo von Hofmannsthal, Sigmund Freud oder Stefan Zweig studierten, kommt mir irgendwie immer unwirklich vor. Ich finde das Hauptgebäude der Universität Wien unglaublich, verglichen mit der Universität an der ich studiere ist es einfach gigantisch.
Aber genauso gigantisch ist die Zahl von Studierenden. Und daher bin ich eigentlich doch ganz froh an meiner kleinen, fast schon ländlichen, familiären Universität die Professoren nach der Vorlesung ansprechen zu dürfen und am nächsten Tag noch von ihnen erkannt zu werden.




Ich habe dieses Wochenende voller Bücher, Kaffeehäuser, super Gesprächen und ganz viel Österreichischem Charme sehr genossen. Ihr wisst ja mittlerweile wie sehr ich mich für alles Kuriose begeistere und auch wenn ich gerne ausgehe und tanze, so war dieses Wochenende voller Kultur auch ganz nach meinem Geschmack, denn was ich noch viel mehr liebe als das Leben bloss zu feiern, ist es, ihm auf den Grund zu gehen.

Ja, lange ist es jetzt schon her. Und ich werde fast ein bisschen wehmütig wenn ich an diese Reise zurück denke. Weil ich Wien wirklich sehr ins Herz geschlossen habe. Und weil die Zeit seither so unglaublich schnell vergangen ist.

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