Über (Heavy) Metal

22.6.14

und das Greenfield Festival 2014 insbesondere 




Alles begann damit, dass ich irgendwann anfangs Pubertät an einem regnerischen Abend durchs TV-Programm zappte und bei Daredevil (2003) hängen blieb. Eine Filmszene wurde musikalisch von Evanescences wohl bekanntestem Song Bring me to life untermalt. 
Es geschah innerhalb weniger Sekunden. Alles was ich dachte war: "Ja. Das ist die Musik, die ich mag. Es gibt so etwas tatsächlich. Endlich habe ich es gefunden."

Amy Lees Stimme, die schweren Gitarren-Kläge, der melancholische Unterton… ich verliebte mich in das Lied. Bis anhin hatte ich nur die Musik gehört, die im Radio lief oder, die meine maman und ma soeur mir gezeigt hatten. Bis anhin hatte ich mich eigentlich nie wirklich für Musik interessiert, da ich einfach nicht daran dachte, dass es tatsächlich eine Art von Musik geben könnte, die mich so tief anspräche wie es dieser Song tat.




Ich habe Daredevil nie zu Ende gesehen. Ich rannte an meinen Computer und begann zu recherchieren. An diesem Abend öffnete sich mir zum ersten Mal die Welt des Goth-Rocks. Von da an ging dann alles ziemlich schnell. Auf Evanescence folgten Bands wie Within Temptation, Epica und natürlich Nightwish. Ich war dem Symphonic-Metal nach wenigen Tönen verfallen. 
Eine Weile hörte ich die Musik für mich allein. Meine maman war auch ziemlich angetan, ma soeur lebte damals noch ihre Hip-Hop Phase und war mässig begeistert. Papa war mehr auf der Bruce Springsteen und U2 Schiene.




Aber bald lernte ich ein paar Leute kennen, die meine neue Leidenschaft teilten. Vor allem eine sehr gute Freundin, mit der ich noch heute Konzerte besuche und mit der ich die meisten meiner Erinnerungen an absoluten Musik-Highlights teile. Wir begannen auszugehen, in Lokale in denen unsere Lieblingsmusik gespielt wurde, besuchten Konzerte und begannen uns damit in der regionalen (Heavy)Metal-Szene einzuleben. 

Schliesslich hörte ich nicht mehr nur Symphonic-Metal, sondern begann mich für Stile wie Melodic-Death Metal, Trash-Metal und Core zu interessieren. Mittlerweile mag ich Bands von so ziemlich jedem Stil. Die Musik muss mich ganz einfach berühren. 




Ich finde es immer wieder amüsant, wenn neue Bekanntschaften mich nach meinem Musikgeschmack fragen. Ich bin nicht unbedingt die Art von Metalhead, die ihre musikalische Vorliebe durch Kleidung nach aussen präsentiert. Ich mag sehr feminine Kleidung, ich mag Lolita, ich mag bunte Sachen.Viele Anhänger/innen der Metal-Szene zelebrieren ihren Musikgeschmack dagegen durch das Tragen von Band-Shirts und ihre Kleidung orientiert sich ansonsten vor allem an der Gothic-Szene. Vor allem während meiner Teenager -Zeit tendierte ich auch eher dazu, irgendwann verging mir aber die Lust daran. Nicht jedoch an der Musik.

Ich habe mich schon öfters gefragt, was mir eigentlich an (Heavy) Metal so gut gefällt. Dieser Musikstil steht ja eigentlich schon ziemlich im Kontrast zu meinen sonstigen Vorlieben. Als Teenager gab mir diese Musik enorm viel Halt. Musik ist doch immer eine Oberfläche, die Emotionen zu transportieren versucht. Dabei ist Metal genau diese Art von Musik, die mein Inneres manchmal so gut zum Ausdruck zu bringen vermag. Metal weist teilweise Strukturen auf, die aus der klassischen Musik übernommenen werden (man bedenke schon nur den Gesang im Symphonic-Metal). Ich liebe die Tempo- und Taktartwechsel in dieser Musik, die einem Song meiner Meinung nach diese Komplexität und Tiefe geben, die ich persönlich im Metal zu hören glaube.
Manche Bands spielen die wunderbarsten Melodien, wie ich sie gerade in Pop-Musik nie gehört habe.
Ausserdem bin ich sehr oft von den Themen, mit denen sich die Musik auseinandersetzt und die sich in den Lyrics ausdrücken, angetan und fasziniert.
Metal-Bands schreiben Musik, die sich mit den Dingen beschäftigt, die mich interessieren. Oft findet man in den Lyrics literarische, philosophische und gar naturwissenschaftliche Themen.
Manche Songtexte sind schon für sich allein wahre Kunstwerke.

Zu all dem kommt schlussendlich meine Faszination für den kleinen, männlichen Teil in mir. An Metal-Konzerten darf ich schreien und brüllen so laut ich will, im Takt wird geheadbangt, Körper werfen sich wild durcheinander während einer Wall of Death oder beim pogen.
Ja, dieses Raue, Rohe, das Schroffe, all der Kontrast zu meinem eigenen weiblichen Selbst fasziniert mich und zieht mich an. Die Energie, die von Metal transportiert wird, gibt mir selbst irgendwie Kraft.
Anfangs dachte ich, dass das nur eine Phase ist, dass mich diese Musik sicher irgendwann abstossen würde. Nach fast 8 Jahren und nachdem ich Bands wie Iron Maiden, Metallica, Black Sabbath, Nightwish, Arch Enemy, Motörhead oder auch Eluveitie live gesehen habe, kann ich nicht mehr von einer Phase sprechen. Metal ist ein Teil von mir geworden und gibt mir wie die Lolita-Mode ab und an eine Möglichkeit den Alltag hinter mir zu lassen, wenn ich beispielsweise ein Festival wie das Greenfield Festival 2014 in Interlaken besuche.




Dieses Jahr lockte das Greenfield Festival mit Iron Maiden als Headliner. Natürlich konnte ich dem nicht widerstehen, da ich die Band zuvor schon einmal gesehen hatte und überaus begeistert gewesen war. Die Show war dann auch fantastisch. Obwohl das Wetter leider den Tag über nicht mitmachen wollte und es sogar kurz hagelte, beruhigte es sich dann während er Show. Iron Maiden spielten Songs wie Run to the Hills, Aces High, Number of The Beast oder Wasted Years. Ihre Bühnenshow war wie immer top, das Konzert war wirklich das Highlight des Festivals.
Ich vergass für zwei Stunden meine kalten, nassen Füsse, das schlechte Wetter und meinen Hunger.




Eine andere Show, die mich überzeugte war jene von Ghost. Das ganze war ein bisschen verrückt: Sie traten auf wie die schlimmste Black-Metal Band, liessen dann aber eher rockige Klänge ertönen. Der Sänger war eine herrliche Mischung aus Würde, Niedlichkeit und schlimmem Zynismus. Ganz nach meinem Geschmack.

Von den Acts, die nicht auf der Hauptbühne spielten, überzeugten mich vor allem Memphis May Fire.
Eine fantastische Show lieferten als letzte Band am Samstagabend Eluveitie, ich glaube ich habe sie damit etwa zum 11. Mal live gesehen, aber nach wie vor gehören sie zu meinen Lieblings-live-Bands. Ma soeur und ich quetschten uns in die erste Reihe, schafften es hie und da auf den grossen Greenfield-Hauptbühnen-Monitor und schoben unzählige Crowd-Surfer nach vorne. Dieses Konzert war eine einzige fette Party mit Songs wie Inis Mona, A Rose vor Epona, Slanias Song und sogar, ganz exklusiv drei zuvor noch nicht live gespielten neuen Songs.

Von allem was wir uns ansahen enttäuschten mich Soundgarden am meisten. Ich fand die Show einfach nur langweilig. Bring me the Horizon und Linkn Park lieferten gute Shows, aber das Highlight blieben für mich Iron Maiden. Ich mochte auch Trivium, Sepultura und Saltatio Mortis, aber  vielleicht lag es an meiner Müdigkeit, aber irgendwie packte es mich dann doch nicht so sehr wie bei Maiden.

Alles in allem war es aber ein angenehmes Festival. Das Wetter spielte leider nicht immer mit, aber wir trafen eine Menge toller Leute und machten das Beste aus dem Regen.

Mit dem Greenfield Festival 2014 waren aber die musikalischen Höchstflüge dieses Sommers noch nicht vorbei.
Am Mittwoch besuchte ich ausserdem das Steel Panther Konzert im Kofmehl in Solothurn und am Freitag das Black Sabbath Konzert im Hallenstadion Zürich. Beide Konzerte waren fantastisch. Bei Steel Panther schaffte ich es doch tatsächlich auf die Bühne! Ich durfte auch einmal dabei sein, wenn 17 Mädels zu 17 Girls in a row auf der Bühne abgehen.
Ausserdem fingen wir ein paar Plecs, immer wieder ein schönes Andenken an ein Konzert!


Lexxi Fox (Bass) von Steel Panther 

Mehr als nur positiv überrascht waren wir von Black Sabbath am Freitag. Wir machten zu Beginn Witze darüber, ob Ozzy überhaupt auftreten würde, aber die Band fing pünktlich zu spielen an und zog ihre 2-Stunden-Show durch.

Die Musiker überzeugten mit ihrem Können. Unglaublich. Unglaublich dieses Drum-Solo und die Darbietung des Bassisten. Ich stand da und war einfach nur glücklich, dass ich diese Urväter des Heavy Metal live sehen durfte. Dass ich dabei sein durfte, wenn Ozzy Osbourne die Arme hob und "We love you all" in die Menge rief und dabei schief lächelte.


Black Sabbath live im Hallenstadion Zürich

Ich stand fast ehrfürchtig da und genoss den Klang der Musik. Black Sabbath waren genial, momentan läuft fast nichts anderes bei mir. Sie eröffneten die Show mit War Piks und schlossen mit Paranoir. Dazwischen zwei Stunden musikalische Höchstleistung. Ja, Ozzy traf die Töne nicht ganz, aber ich rechne es ihm hoch an, dass er die ganzen Lyrics noch auswendig beherrscht.

Überhaupt mag ich Ozzy Osbourne.
Ich liebe ja meinen Grossvater, aber Ozzy würde mir wohl auch gefallen. 

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