Und wieder Zeichnen gegen die Zeit

24.10.14



Auch dieses Jahr habe ich wieder am 24 Stunden Comics in Winterthur teilgenommen. Er fand vom 18. bis 19. Oktober in der Alten Kaserne statt. In meinem Post “Zeichnen gegen die Zeit" habe ich letztes Jahr ausführlich darüber berichtet und erklärt was die Idee hinter diesem Event ist. 

Dieses Jahr gab es insofern eine Änderung, als das die Teilnahme am Event nun nicht mehr gratis ist, sondern 25 CHF kostet. Meiner Meinung nach ist das aber immer noch günstig, wenn man bedenkt, dass man 24 Stunden lang verpflegt wird, gratis Wifi hat, Räumlichkeiten zum Schlafen angeboten werden und man sogar eine Dusche benutzen kann. Ausserdem ist das 24 Stunden Comics-Team einfach super nett und sympathisch.




Ich hatte auch dieses Jahr nicht den Anspruch 24 Seiten in 24 Stunden zu zeichnen. Ich kenne mich einfach zu gut - ich habe, seit ich zu studieren begonnen habe, einfach nicht mehr so viel Zeit um zu zeichnen. Dadurch habe ich eine Menge an Routine eingebüsst und auch habe ich seit langem keine zeichnerischen Fortschritte mehr gemacht. 

Ich bin also eine ziemlich langsame Zeichnerin und habe auch eigentlich mehr an dem Event teilgenommen, weil ich die Stimmung dort so gerne mag. Es erinnert mich an meine Zeit an der Schule für Gestaltung und die anderen Teilnehmer sind tolle Leute, die ich gerne wiedergesehen habe. Ausserdem mag ich es ab und an von kreativ Schaffenden umgeben zu sein. Das motiviert mich dann immer selber wieder einmal etwas zu machen, den Mut aufzubringen und die leeren Seiten mit irgendetwas von mir zu füllen.




Ich gebe zu, dass mich das Überwindung kostet. Eine leere Seite ist weder feindselig, noch hämisch, sie ist einfach leer. So sehr ich meine Zeit an der Schule für Gestaltung auch genossen habe und sehr vieles dort lernte, so sehr hat mich diese Welt der Gestaltung und Kunst manchmal auch verletzt. 
Wenn ich zeichne, gebe ich immer ein Stück von mir preis - ich zeige mein Inneres, denn meine Ideen kommen von dort. Natürlich muss man mit Kritik umgehen können und das lernt man an Kunstschulen ja auch. Ich muss jedoch eingestehen, dass mich gewisse Kritik manchmal tief verletzt und sehr gekränkt hat. Ich kann Gestaltung nicht einfach von mir trennen und sie völlig losgelöst von mir betrachten. Als ein Lehrer einmal sagte, dass ich "nur Kitsch" produziere als ich einen Manga zeichnete, degradierte er damit auch ein bisschen mein Innerstes zu Kitsch, was mich damals wirklich sehr verstörte und wohl noch immer nachwirkt. 

Ich möchte aber wirklich versuchen davon loszukommen und vielleicht auch einfach diesen "Kitsch" zuzulassen. Vielleicht hätte ich damals einfach ein bisschen mehr auf mich vertrauen sollen und nicht aller Kritik Gehör schenken. Aber es ist ja doch schon eine Weile her und zugegeben - als Teenager sieht man ja die meisten Dinge ganz anders.




Jedenfalls machte ich an diesem 24 Stunden Comics einen ersten Schritt in Richtung Zulassen: Ich zeichnete einen Manga. Ich zeichnete einfach drauf los, Panel für Panel, ohne mir vorher ein richtiges Konzept ausgedacht zu haben. Qualitativ finde ich meinen Comic von diesem Jahr besser als jenen vom Letzten. Ich nannte ihn "Daily Lolita" und der Inhalt ist sehr simpel: Eine Lolita-Mode-Trägerin wird durch die 24 Stunden des Tages begleitet und ich illustrierte in jeweils 4 Panels pro Seite was sie in der jeweiligen Stunde alles tut. Allerdings schaffte ich es mit Titelblatt nur bis Stunde 9.

Auch dieses Jahr machte es mir wieder grosse Freude den anderen Teilnehmern beim Zeichnen zuzusehen - es entstanden eine Menge wundervoller Arbeiten. Ich glaube, dass über ein Drittel die 24 Seiten in 24 Stunden geschafft haben. 

Ich habe auch dieses Jahr nichts an dem Event auszusetzen gehabt und kann nur noch einmal sagen wie gut er organisiert wird und, dass man wirklich dazu animiert wird selber etwas aufs Papier zu bringen.

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