Zwei Kölsch, bitte!

3.1.15



Das neue Jahr bringt neue Posts! Unglaublich, dass es schon ein Jahr her ist, seit ich damals mit ma soeur in Berlin Silvester auf dem Alex gefeiert habe. Kurz vor Ende 2014 hat es uns noch einmal nach Deutschland verschlagen, dieses Mal jedoch nach Köln

Hauptgrund für unsere Reise ans Rheinufer war, dass dort bis Ende Januar die Ausstellung Harry Potter The Exhibition im Museum Odysseum gezeigt wird. Eigentlich wollten wir nach London, das wurde dann aber nichts. Ma soeur war enttäuscht, dass sie nun doch nicht die Harry Potter Studio Tour in den Leavsden Studios ausserhalb Londons würde machen können. Ich habe diese während meines Aufenthalts in England gemacht und konnte ihre Enttäuschung um so mehr verstehen. Deshalb hielt ich Ausschau nach etwas, das sie aufmuntern könnte und stiess auf diese Wanderausstellung. 
Also ab nach Köln! 




Nachdem wir unser Hotel gefunden hatten, machten wir uns auf zu einem ersten Spaziergang durch die Stadt. Vorbei an unzähligen Brauereien, Pubs und Kneipen kamen wir zum Kölner Dom. An dem Tag war jedoch noch so gut wie alles geschlossen, da wir einen Tag nach den offiziellen Weihnachtsfeiertagen nach Köln geflogen waren. Wir verschafften uns also nur einen Überblick über die Stadt und gingen dann zu Abend essen und nach einem Kölsch im Hotel früh zu Bett. Das Wetter war auch eher suboptimal. 




Unseren ersten ganzen Tag im Rheinland starteten wir beim Hauptbahnhof, wo wir uns Tickets für den öffentlichen Verkehr besorgten und dann gleich den Kölner Dom besichtigen, welcher direkt daneben liegt. Der Dom ist wirklich imposant. Seine Türme ragten so weit in den Himmel hinauf, hinein in die grauen Wolken und bei dem nasskalten Wetter und den gelegentlichen Schneeschauern an diesem Tag hatte er etwas Düsteres, fast schon Bedrohliches. 




Gotische Architektur fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich war etwas traurig, dass wir solches Pech mit dem Wetter hatten und wir fast nichts von dem Farbenspiel zu sehen bekamen, welches entsteht, wenn das Sonnenlicht durch die Buntglasfenster des Doms fällt. Da das Sonnenlicht fehlte, wirkte das Innere des Doms weniger spektakulär und etwas unheimlich. 

Nach der Dombesichtigung fuhren wir zum EL-DE Haus. Es beherbergt seit 1988 das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Ursprünglich war es als Wohn- und Geschäftshaus konzipiert worden, während der Jahre von 1935 bis 1945 diente es jedoch als Gestapodienststelle und Gefängnis. 




Das Museum war eindrücklich. Ich erinnere mich noch daran, dass sich die NS-Dokumentationsstelle in Berlin (Topografie des Terrors) auf Schaubilder und Erklärungen beschränkte. Es geht nicht darum, dass ich diese Art von Dokumentationsstelle jetzt völlig schlecht finde, aber es hat doch eine ganz andere Wirkung, wenn eine Dokumentationsstelle an einem Originalschauplatz untergebracht wird. Wir konnten ein paar Gefängniszellen im Keller betreten und man konnte sich den Innenhof, auf dem unzählige Exekutionen durchgeführt wurden, ansehen. 

Vielleicht habt ihr euch schon gewundert, dass ich in manchen Posts (wie unter anderem in BEWUSST SEIN) plötzlich über den Nationalsozialismus schreibe. Ich fand die Menschheitsgeschichte schon immer interessant, aber es gab nie ein Thema, das mich so lange und so intensiv beschäftigte wie der Nationalsozialismus. Ich will an dieser Stelle auch gar nicht mehr viel darüber schreiben, vielleicht schaffe ich irgendwann mehr - so viel nur noch: Ich stand in diesem Keller, in dieser einen Gefängniszelle und ich nahm die Erklärungen an den Wänden und auch die anderen Besucher irgendwie nicht mehr wahr. Es war als hätte sich der Schmerz der Opfer, die hier so viel Gewalt und den Tod erlebt hatten, ins Gemäuer gefressen, als sässe er noch immer da und schreie mir entgegen, krieche in mein Herz. 




Wir verbrachten ziemlich viel Zeit in dem EL-DE Haus. Danach besuchten wir noch das Haus No. 4711 wo die wohl berühmteste Kölner Exportware verkauft wird: Das Eau de Cologne.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit Shopping, Kaffeekränzchen und der Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen. 




Tag Zwei begrüsste uns mit strahlendem Sonnenschein bei eisiger Kälte. Wir waren froh, dass wir ihn mehrheitlich drinnen verbringen würden, denn für diesen Tag hatten wir Tickets für die Wanderausstellung Harry Potter The Exhibition. Wir führen also zum Odysseum und verbrachten einen wunderbaren Nachmittag in Hogwarts. Ich habe der Ausstellung einen eigenen Post gewidmet, daher verliere ich an dieser Stelle nicht zu viele Worte darüber.




Nach der Ausstellung profitierten wir trotz der eisigen Kälte von der Sonne und spazierten durch die Stadt. Wir stiegen auf eine Brücke zwischen der Hohenzollernbrücke und Rheinauhafen und wir versuchten etwas von dem im Sonnenschein strahlenden Köln auf Foto zu bannen. 




Schliesslich waren wir so durchgefroren, dass wir beschlossen es sei das Beste doch noch ein Museum zu besichtigen. Also entschieden wir uns für das Ludwig Museum und betrachteten bis zum Abendessen moderne Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Ich mochte es, dass das Museum so geräumig und hell war. Die Werke kamen auf den schneeweissen, riesigen Wänden sehr gut zur Geltung und man hatte reichlich Platz. Viele der Künstler waren mir unbekannt, ich mag eigentlich was Kunst angeht den Impressionismus und die Surrealisten am Liebsten. Es gab jedoch einige Werke von Künstlern der Neuen Sachlichkeit die mir sehr gut gefielen. Und ich konnte mein Herz sogar für dieses abstrakte Gemälde erwärmen:




Der dritte Tag begann mit Schneeschauer. Es war zwar nicht mehr so beissend kalt wie am Vortag, aber leider hatte sich die Sonne wieder hinter eine graue Wolkendecke verzogen. Eigentlich gibt es da auch nichts zu jammern, denn wir hätte ja genau so gut in den Süden fliegen können. Ich möchte euch nur empfehlen Köln nicht im Winter zu besuchen, falls ihr mit Wind und Schnee nicht klar kommt. 




Den dritten und letzten Tag verbrachten wir in Düsseldorf. Die Rheinlandhauptstadt liegt nur 30 Minuten Zugstrecke von Köln entfernt und da Köln eher klein ist und wir eigentlich schon alles gesehen und gemacht hatten, was wir dort hatten erleben wollen, fuhren wir also noch etwas weiter. In Düsseldorf nutzen wir vor allem die Gelegenheit auf der Königsallee und in ihren Nebenstrassen richtig shoppen zu können. Ich konnte endlich einmal das japanische Viertel besuchen und war überglücklich, als ich in einer Buchhandlung dort eine Ausgabe der Gothic Lolita Bible erstehen konnte. 




Eigentlich wären wir gerne auch noch nach Bonn gefahren, aber für alles reichte die Zeit dann leider doch nicht. Die letzten Stunden vor unserem Rückflug ins Alpenländchen verbrachten wir im Hard Rock Café Köln.

Alles in allem hatten wir eine Menge Spass und eine gute Zeit im winterlichen Rheinland. In eine andere deutsche Stadt von ähnlicher Grösse wie Köln würde ich das nächste Mal aber für einen Tag weniger fahren, da wir ziemlich schnell alles gesehen hatten, was uns interessierte.
Diese Reise hat unser konstantes Fernweh aber natürlich nicht geheilt und wir sprachen davon demnächst einmal Hamburg und vielleicht wieder einmal das schöne Berlin unsicher zu machen.

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