Combe Back To Camden

13.2.15

oder London, Tag 2




Morgens, wenn wir die Tür öffneten um frühstücken zu gehen, lag bereits die neuste Ausgabe der The Times vor unserer Zimmertür. Im Badezimmer hingen kuschelige, weisse Bademäntel und das Bett war ein Queen Size Bed mit einer Menge Kissen obendrauf. Ich spreche von dem Hotel im Stadtteil Kensington, in welchem mein Monsieur und ich während unseres Besuchs in London wohnten. 




Natürlich gehört zu einem richtigen Besuch in der englischen Hauptstadt auch ein richtiges, englisches Frühstück. Die meisten Kontinentaleuropäer werden jetzt die Nase rümpfen. Tatsächlich heisst das Frühstück, welches hierzulande bevorzugt wird, in England auch wirklich continental breakfast und es gibt dazu Brot, Marmelade und ein wenig Käse und Aufschnitt. 

Ich gehöre allerdings zu der Sorte Alpenländchenbewohner, die richtig gerne und ausgiebig frühstücken. Brunch ist eine meiner Lieblingsmahlzeiten und wenn ich morgens früh raus muss, dann schaffe ich das auch fast nie ohne mir vorher ein Rührei zu genehmigen. 
Aus diesen Gründen versteht es sich also fast von selbst, dass ich dem full English breakfast alles andere als abgeneigt bin. Schon während meines Englandaufenthalts habe ich mir jeweils morgens den Bauch vollgeschlagen, da ich die anderen Mahlzeiten der englischen Küche eher schlecht als recht ertragen konnte. Auf das englische Frühstück aber, stehe ich total. 

Ich war also umso begeisterter von unserer Unterkunft, da ich des Morgens zu meinem Schwarztee gebratene Pilze, Eier und Speck essen konnte. Mein armer, kränkelnder Monsieur begnügte sich unterdessen mit continental breakfast.




Den zweiten Tag mit einem grossen Frühstück zu starten war dann auch keine schlechte Idee, denn danach zogen wir los um so richtig shoppen zu gehen. 
Dafür begannen wir in einem meiner Lieblingsstadtteile: In Camden Town

Camden wurde schon 1791 als Wohnquartier angelegt und wurde durch die Entwicklung der Eisenbahn und des Londoner Wasserkanalnetzwerkes zu einem wichtigen Knotenpunkt. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Camden eines der weniger attraktiven Wohnquartiere Londons. Die Camden Markets, die seit 1973 existieren und stetig wachsen, locken heute die Besuchermassen in den nördlich gelegenen Stadtteil. 




Auch mein Monsieur und ich waren des Camden Markets wegen hin gefahren. Als Camden Market wird eine Ansammlung verschiedener Märkte in und um die Camden High Street bezeichnet. Der Markt besteht aus sechs benachbarten Marktbereichen, wobei wir uns vor allem den Camden Lock Market und den Stables Market ansahen. 
Der Camden Market lockt wöchentlich tausende von Menschen an, wir hatten aber wieder Glück und konnten uns alles in Ruhe, ohne die gewohnten Menschenmassen, ansehen. Es musste wirklich am Januar-Loch liegen und vielleicht auch an dem schlechten Wetter an diesem Morgen. 




Das angebotene Sortiment ist enorm. Man findet Basteleien, Produkte aus Handwerk, billige China-Ware, Antiquitäten und allerlei Secondhand. 
Der Stadtteil hat nicht umsonst den Ruf das Zentrum für alternative Kulturen in London zu sein. Abends öffnen Clubs und Bars und bieten Platz für Livekonzerte von Bands aus allen erdenklichen Musikgenres. Tagsüber spazieren Punks, Goths und allerlei Hipster wild durcheinander durch die Märkte und suchen nach Schnäppchen.




Kein Wunder also, dass mein Monsieur und ich uns pudelwohl fühlten. In Camden finde ich alles, was mein Herz begehrt: Kleidung, Schmuck, Bücher, Taschen, Schuhe, Mitbringsel für die Lieben Zuhause. Dieses Mal war ich auf Harry Potter-Schatzsuche und wurde reichlich fündig: Pullover, T-Shirts und Schmuck mit Harry Potter-Motiven habe ich mit nach Hause genommen. 
Mein Monsieur stöberte zwischen secondhand Lederjacken, fand eine der ersten ACDC Platten und kaufte mehrere T-Shirts. 




Ausserdem ist der Camden Market eine der wenigen Anlaufstellen in Europa, wo auch Lolitas fündig werden. Im Saisai gibt es ein kleines Lolita-Sortiment. Sie verkaufen z.B. Jumperskirts von Infanta und Blousen von RQ-BL. Ich habe sogar ein paar Accessoires entdeckt, die ich vor längerer Zeit einmal auf  Restyle bestellt habe. Man muss jedoch etwas stöbern, nicht alle Teile sind von guter Qualität. Es gibt schon ziemlich viel billige China-Ware, auch in den anderen Shops. Im Saisai kaufte ich mir schliesslich nur eine weisse RQ-BL Lolita-Blouse. 




Camden ist immer wieder ein Vergnügen. Für mich gibt es keinen Londonbesuch ohne einen kurzen Abstecher nach Camden. Ich finde es jedes Mal herrlich erfrischend aus der U-Bahnstation zu kommen, die bunt bemalten Shops zu sehen, den unterschiedlich gestylten Leuten hinterher zu schauen. In Camden sieht man, noch viel mehr als in anderen Teilen Londons, allerhand ausgeflippt gekleidete Menschen. Ich finde das jedes Mal sehr inspirierend. 

Überhaupt inspiriert mich London viel mehr als es andere Modestädte wie Paris oder Mailand tun. Wenn ich mir Streetstyle-Blogs ansehe, so bleibe ich meistens, auch unwissentlich, an den Bildern aus London hängen. Ich mag ganz einfach diesen Londoner Chic. Dieses lässig alternative, kombiniert mit einer Portion englischer Eleganz. Moderne mit ein bisschen Nostalgie, einer Prise Tradition. 




Ich entdeckte auch ein paar nette Buchhändler, darunter sogar einen, der das Bücherbinden noch anbietet. Ausserdem staunte ich nicht schlecht, als ich in einem Secondhandshop eine Stange voller Burberry Mäntel fand, alle auf nur hundert Pfund reduziert. Allerdings in Männergrössen und natürlich nicht aus der neusten Kollektion. 




Schliesslich hatten wir den halben Tag in Camden verbracht und es wurde Zeit für einen Stadtteilwechsel. Wir fuhren zum Bahnhof King's Cross, wo ich meinem Monsieur das berühmte Gleis 9 3/4 aus den Harry Potter Büchern und Filmen, die er genauso liebt wie ich, zeigen wollte. Allerdings hat sich am Bahnhof King's Cross bezüglich Harry Potter so einiges getan seit ich das letzte Mal dort war. Als Cookie und ich im September 2012 dort waren, konnten wir ganz stressfrei mit dem lustigen Gleis 9 3/4 Schild und einem davor in die Wand eingelassenen Gepäckwagen Fotos machen. 

Neuerdings muss man dafür aber anstehen, da mittlerweile sehr viele Touristen von dieser Attraktion wissen. Ausserdem hat ein Harry Potter Fanshop mit allerlei Merchadinse daneben eröffnet. Wenn man nun für die Fotos mit dem Schild ansteht, kann man nicht einfach selber knipsen, sondern wird von einem Fotografen abgelichtet und wenn ich das richtig verstanden habe, so muss man das Bild dann später im Shop kaufen. Das war uns dann doch zu blöd und wir liessen das Foto aus. 
Der Fanshop enttäuschte mich auch ein wenig. Die Sachen waren meiner Meinung nach überteuert und es gab auch viel weniger Auswahl als an der Harry Potter Studio Tour oder an der Harry Potter The Exhibition Ausstellung in Köln. Aber wenn man schonmal da ist, kann man ja kurz reinschauen.




Danach ging es zur Oxford Street, wo ich noch ein paar Sachen einkaufte und dann noch ins Hard Rock Café London an der Old Park Lane. Im Hard Rock Café war mein Musiker natürlich voll in seinem Element. Als wir nach einem Drink wieder nach draussen traten war es bereits dunkel und Zeit fürs Abendessen. 





Was das Abendessen angeht, so wären wir wohl besser nach Tokyo gefahren. Aber wenn man schon mal in den Genuss von frisch zubereitetem Sushi zu vernünftigem Preis kommt, so sollte man das doch durchaus geniessen. Also kehrten wir noch einmal beim Japaner ein. Fisch und Reis war auch gar keine so schlechte Idee, da es dem kranken, mit Paracetamol vollgepumpten Monsieur nach dieser Shoppingtour nicht sehr gut ging und er auf keinen Fall schwer essen wollte. 

Krank eine Stadt wie London zu besuchen ist wirklich nicht allzu vorteilhaft. Die vielen Eindrücke, das Gedränge (obwohl es wie schon erwähnt Ende Januar nicht so schlimm war) und der ständige Lärmpegel tragen nicht gerade dazu bei sich zu erholen und natürlich sind wir auch ziemlich viel gelaufen. Da ich aber selber schon einmal krank durch Berlin gewankt bin, wusste ich wie er sich in etwa fühlte und wir gingen alles gemütlich an, daher sahen wir uns an diesem Tag auch keine weiteren Sehenswürdigkeiten mehr an und beschränkten uns aufs Shoppen.

Nach dem Essen ging es zurück durch das nächtliche London ins Hotel. Ich war etwas traurig, dass wir nicht in ein Musical oder in einen Club gehen konnten. Das Londoner Nachtleben hat natürlich auch extrem viel zu bieten, nicht nur am Wochenenden und da ich mir gerne Theater, Ballette und Musicals ansehe, hätten wir bestimmt etwas passendes gefunden. 
Es ist aber noch nicht aller Tage Abend und ich werde sicher in den nächsten zwei Jahren wieder nach London fliegen und mich halt dann etwas ausgelassener in die englischen Nächte stürzen. Ausserdem ist es ja nicht so, als hätte ich das in Cambridge nie gemacht. 

Magst du vielleicht auch

2 Kommentare

  1. Haaach ich bin immernoch ein bisschen neidisch ^^ nach Camden muss ich auf jeden Fall irgendwann mal xD und dein armer Freud tut mir echt Leid, das ist echt ätzend -.-

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    1. Wenn du es in Paris mit mir aushältst, fahren wir sonst einfach mal zusammen ;D Ich kann sowieso nie genug von London bekommen!

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