There Is No Place Like London

12.2.15

oder London, Tag 1




Vielleicht erinnert ihr euch an den allerersten Post hier, den ich im Oktober 2012 im englischen Cambridge geschrieben habe. Gut einen Monat davor hatte ich zum zweiten Mal in meinem Leben eine Woche in London verbracht. 

Seit ich Mitte Dezember 2012 ins Alpenländchen zurückkam, quälte mich dann ein leichtes, dafür aber stetiges, Fernweh. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl. Es ist nicht so, dass ich unbedingt in London (oder sonst irgendwo in England) leben möchte. Aber es ist eben auch nicht so, dass mich dieser Ort kalt gelassen hätte. Ich versuchte es schon ein paar mal zu erklären, aber für manche Erklärungen reichten Worte eben doch nicht ganz aus. 

"Weisst Du", sage ich dann immer, "Ich kann auch nicht sagen woher das kommt. Es gibt diese Orte, wie es auch diese Menschen gibt. Du siehst sie zum ersten Mal, aber sie sind Dir irgendwie vertraut. Augenblicklich. Es fühlt sich an, als würdest Du sie wieder erkennen." 
Mein Gegenüber stutzt dann jeweils und ich versuche es nicht gleich wieder aufzugeben: 
"London ist einer dieser wenigen Orte. In London habe ich einen Teil meines Herzens gelassen. Meine Seele ist dort zwar nicht Zuhause, nein. Aber mein Herz schlägt für diese Stadt."





Anfangs dieses Jahres habe ich es schliesslich nicht mehr ausgehalten. Mir war, als würden die Leute in meiner Umgebung andauernd über London reden und für ein paar Tage oder länger hinfliegen. Vielleicht war es aber auch nur so, dass ich nach zwei Jahren ohne Wiedersehen meine Sehnsucht nicht mehr ganz im Griff hatte. 

Da traf es sich mehr als gut, dass mein Monsieur die Stadt meines Herzens noch nie zuvor besucht hatte und wir beschlossen Ende Januar ein paar Tage an der Themse zu verbringen. Wir verbrachten schliesslich drei volle Tage in der englischen Hauptstadt, von denen ich euch in diesem und den zwei folgenden Posts etwas ausführlicher berichten möchte. 




Unseren ersten Tag begannen wir mit einem Spaziergang durch das Regierungsviertel. Mein Monsieur hatte sich leider eine üble Erkältung eingefangen, weswegen wir alles sehr gemütlich angingen. Leider fiel dadurch auch ein Tagesausflug nach Cambridge ins Wasser (für einmal nicht ganz so wortwörtlich, da es dieses Mal entgegen aller Klischees fast gar nie regnete), was dann aber auch nicht so schlimm war, da es in London ja wirklich immer irgendetwas gibt, das man noch nicht gesehen hat. 

Wir begannen also bei der Westminster Bridge, gingen am Parlament mit Big Ben und der Westminster Abbey vorbei und spazierten dann Whitehall entlang zum Trafalgar Square. Auch wenn ich das Westminster-Viertel nun schon einige Male gesehen habe, fahre ich immer wieder gerne dort hin. Big Ben läuten zu hören und die roten Doppeldeckerbusse über die Westminster Bridge donnern zu sehen, gehört für ich einfach zum London feeling dazu. London ist gross, London ist laut, voller Geschichte und dynamisch.




Vom Trafalgar Square ging es mit der U-Bahn zum Tower of London und zur Tower Bridge. Ich erinnerte mich daran, dass ich bei meinem allerersten Besuch in London eine Schifffahrt auf der Themse machte und wir unter der Tower Bridge durch nach Greenwich fuhren. Dieses Mal kam ich der imposanten Brücke nicht ganz so nahe. Sie beeindruckt mich irgendwie jedes Mal, da sie im neugothischen Stil gebaut wurde und die Elemente einer Hänge- und einer Klappbrücke dadurch elegant verbindet. Auch aus dem Flugzeug sieht sie meiner Meinung nach irgendwie dramatisch aus. 




Bei diesem Londonaufenthalt schaffte ich es erstmals mir den Tower of London auch von Innen anzuschauen. Die letzten drei Male hatten sich immer Massen von Besuchern vor dem Eingangstor verscharrt und mich jeweils davon abgehalten ein Eintrittsticket zu kaufen, da ich nicht besonders gerne  in überfüllte Touristenattraktionen gehe. 

Da wir aber Ende Januar dort waren, fiel unser Besuch ins berühmte Januar-Loch und es hatte vergleichsweise wenige Touristen in der Stadt. Wir mussten überhaupt nicht anstehen und genossen es uns den fast leeren Tower ganz genau anzuschauen. 




Besonders schön waren natürlich die Kronjuwelen. Auch wenn ich Monarchien gegenüber nach wie vor kritisch gegenüber stehe, finde ich doch, dass sie wirklich unsagbar schön sind. Die Kunstfertigkeit  mancher Goldschmiede erstaunt mich immer wieder. 

Am allerbesten gefielen mir jedoch die Ravens of the Tower of London - die Tower-Raben. Ich wusste überhaupt nicht, dass im Tower aufgrund einer alten Legende Raben gehalten werden. Dieser Legende zufolge befahl King Karl II. die Tötung aller Raben im Tower, da sein Astronom John Flamsteed Rabenkot auf seinem Teleskop entdeckt hatte. Der König liess sich allerdings von dieser Idee abbringen, als ihm erzählt wurde, dass der Tower und mit ihm das gesamte Königreich und die Monarchie zugrunde gehen würden, sollte man die Raben aus dem Tower vertreiben. 




Diese Legende scheint jedoch nicht so alt zu sein, wie oft behauptet wird. Schriftlich wurde sie erstmals 1944 belegt und schriftliche Zeugnisse für Raben im Tower stammen erst aus dem 19. Jahrhundert. Es ist also unklar wie lange es die Tradition der Tower-Raben schon gibt. 
Die Raben werden von den Yeoman Warders gepflegt und damit sie nicht wegfliegen und versehentlich das Königreich in Gefahr bringen können, wird auch ein bisschen geschummelt und ihnen ein Flügel gestutzt. 

Ich finde Raben ganz fantastisch, schon als ich noch klein war, waren sie meine Lieblingsvögel. Raben umgibt, nicht allein wegen ihres schwarzen Gefieders, immer eine Aura des Mystischen. Das passt meiner Meinung nach sehr gut zum Tower und den vielen Geschichten, die sich um ihn ranken. 




Nach so viel Kultur im Tower waren wir furchtbar hungrig und gönnten uns an einem Stand - sehr klischeehaft - Fish and Chips. Ich bin eigentlich keine Freundin des frittierten Fischs. Ich hatte das Gericht während meines Aufenthalts in England einige Male gegessen und dabei nur ein einziges Mal einen wirklich lecker zubereiteten frittierten Fisch erwischt. Dieser hier war aber erstaunlich gut. 




Unsere letzte Touristen-Station dieses ersten Tages war der Buckingham Palace. Auch dort war ich wieder erstaunt, wie wenige Touristen unterwegs waren. Als ich die letzten Male dort vorbei gekommen war, hatten sich hunderte von Menschen auf dem Platz vor dem Palast gedrängt. 
Vom Buckingham Palace gingen wir durch den St. James's Park zur nächsten U-Bahn Station und dann zum Piccadilly Circus




Als wir am Piccadilly Circus ausstiegen, war es bereits dunkel geworden. Eine seltsame Wehmut überkommt mich jedes Mal, wenn ich im Dunkeln auf diesem Platz stehe: 
"Und vielleicht, vielleicht vermisste ich ihn in den Momenten, in denen er mir physisch am nächsten war, am allermeisten. Nein, ich vermisste ihn nicht auf die Art, wie ich einen Menschen vermisste, in den ich verliebt war.Vielmehr vermisste ich ihn wie das Rauschen des Meeres, wie den Piccadilly Circus bei Nacht, wie Cambridges Brücken im Nebel des Frühherbstes. Ich vermisste ihn wie all diese Momente, die nichts mehr waren als blosse Erinnerungen in meinem Innersten. Einzigartigkeiten von wortloser Schönheit."
So habe ich einmal geschrieben und so fühlte es sich auch dieses Mal wieder an. Etwas an dieser Stadt berührt mein Herz, ich weiss nicht warum und wahrscheinlich spielt es auch keine so grosse Rolle.
Jedenfalls suchten mein Monsieur und ich dann nach einem Restaurant fürs Abendessen und wurden im Soho fündig.



In "Selbstgemacht: Sushi-Mania" habe ich ja einmal davon berichtet, wie sehr mein Monsieur und ich Sushi mögen. Daher war es auch ein leichtes im Soho ein nettes Restaurant zu finden. Wir kehrten bei einem Japaner ein und liessen uns Sushi und Bento, dazu hausgemachten Bubble-Tea mit Melonen-Aroma schmecken. Auch wenn man sich mit der englischen Küche nicht anfreunden kann, so muss man in London doch nicht hungrig bleiben.




Schliesslich liessen wir den Tag im Salisbury Pub nahe Convent Garden ausklingen. Das Pub ist bekannt für sein viktorianisches Interieur mit Art Nouveau-Elementen und da ich eine Bewunderin und Liebhaberin dieser Art von Architektur bin, wollte ich natürlich unbedingt auf ein Gläschen in diesem Pub einkehren. 




Meinem Monsieur gefiel es in dem Pub aber auch sehr gut. Er war etwas weniger an den hübschen, viktorianischen Glasverkleidungen, als vielmehr am Bier-Sortiment interessiert. Ich bin nicht gerade ein Fan von Bier, das ist mir immer viel zu bitter, aber ich mochte das englische Ale sehr gerne, welches er sich bestellt hatte und versuchte es selber mit einem Cider
Man muss ja nicht alle Tage Wein bestellen. 

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