Kitzel das Seelchen hervor

25.6.15

Erster Schritt: Locke das Seelchen mit Sushi-Häppchen in Bern




Wie in "Verzögerungstaktik" angekündigt, wurde es hier für eine ganze Weile still. Das lag wie gesagt an den vielen Dingen, die ich für die Universität und im Privaten zu erledigen hatte. Ich hatte in dieser Phase einfach keine Zeit für Lolita und auch meine anderen Hobbys mussten hinten an stehen, was mich irgendwann ziemlich zu belasten begonnen hat. 
Aber ich möchte an dieser Stelle nicht allzu viel darüber schreiben. Vielleicht werde ich das noch machen, mir schwebt noch ein Post vor, aber ich muss noch etwas darüber nachdenken.

Jedenfalls hatte die sehr anstrengende Prüfungsphase vor zwei Wochen endlich ihr Ende. Ich sagte mir, dass ich in den Wochen danach bis zum Prüfungsresultat vor allem Dinge unternehmen würde, die mir Freude bereiten. Dazu gehört natürlich auch Lolita-Mode. 
Ich hatte seit fast zwei Monaten kein Lolita mehr getragen und vermisste es so sehr. Ich hatte einfach keinen Sinn darin gesehen mich für die Examen hübsch zu machen. Es war schon anstrengend genug Jeans und Tshirt aus dem Schrank hervor zu holen und mich überhaupt anzuziehen.




Nach den Prüfungen musste aber Schluss damit sein. Ich wollte meine zitternde Seele nicht länger weg gesperrt halten. Es war ganz und gar genug. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr auch einmal durch eine wirklich sehr anstrengende Phase gegangen seit - sei es im Studium oder im Beruf: Manchmal funktioniert man einfach, weil man weiss, dass man das Bevorstehende erfüllen muss um dorthin zu kommen, wo man sein möchte. Weiteres Gejammer möchte ich mir wirklich sparen.

Um mich wieder besser zu fühlen, beschloss ich mich hübsch zu machen, etwas zu unternehmen, Freunde zu treffen. Ich wollte Farbe, ich wollte Inspiration, ich wollte mich wieder lebendig fühlen. Das klingt ganz furchtbar dramatisch, aber irgendwie war es in meinem Inneren in letzter Zeit auch etwas dramatisch.

In Bern begann ich damit mein Seelchen wieder hervor zu kitzeln. Bern ist immer ein guter Beginn. Ich liebe diese Stadt, aus tausend und keinen Gründen. Manche wissen warum, manche nicht.
Ich traf mich mit einem guten Freund aus Gymnasialzeiten und wir assen gemeinsam im Sous le Pont in der Reitschule zu Mittag und sprachen wie immer über Gott und die Welt. Es war herrlich. Das Restaurant hatte veganes Sushi im Angebot, welches ich natürlich probierte - es schmeckte köstlich!




Ich trug an dem Tag etwas Lockeres. Ich bin mir nicht sicher ob ich schon von Casual Lolita sprechen darf, das Latzhosenkleid von H&M ist doch etwas sehr kurz für Lolita. Aber dieses Schubladendenken ist ja auch eigentlich nicht nötig. Nach den zwei Wochen in Jeans und Tshirt fühlte ich mich in dem Outfit gleich wieder viel lebendiger. Es hatte seinen Zweck erfüllt (Oje, ich schaue auf dem Foto wirklich noch sehr verkrampft und müde aus…).


Zweiter Schritt: Lasse das Seelchen an die Luft in Basel




Einen Tag später war es dann soweit: Ich wollte wirklich unbedingt wieder Lolita tragen! Umso besser, dass ich auch gleich einen tollen Anlass dafür hatte: Ich besuchte die liebe Mara in Basel
Das war wirklich wunderbar, wir spazierten gemütlich durch Basel, assen Crêpes in der reizenden Crêperie, in der wir schon einmal bei einem Lolita-Treffen  gegessen hatten, und genehmigten uns zum Dessert einen Cupcake im Cupcake Affair







Jede Menge Foodporn. Hach, neben Lolita-Mode gehört eben auch Essen zu den Dingen, die mich fröhlich machen. Und die Crêpe war doch wirklich hübsch angerichtet worden, findet ihr nicht? 

Mara und ich wurden den ganzen Tag über immer wieder von Leuten angesprochen und um Fotos gebeten, weil wir beide Lolita trugen. Wir staunten beide wie viele Leute an diesem Tag Interesse an unseren Outfits zeigten und wie freundlich alle zu uns waren. Es gibt ja leider auch die Leute, die einen auslachen oder böse Worte fallen lassen. An diesem Tag waren aber alle höflich und freundlich. Ich fand es besonders nett, als uns eine Frau im Cupcake Affair ansprach und uns dafür lobte, dass wir diese Outfits tragen. Sie meinte, dass das sehr mutig sei und, dass sie das toll finde. 




Eigentlich finde ich es aber schon schade, dass es offenbar Mut erfordert sich so zu kleiden wie man es gerne tut. Aber ich möchte auch was das angeht jetzt nicht zu viele Worte verlieren. Im Moment stecke ich vielleicht ein bisschen in einer Art Resignation fest - die Leute begreifen ja sowieso nicht, dass sie eigentlich tun könnten, was sie möchten. Das ist Angst, alles nichts als Angst. Aber ich kann sie auch sehr gut verstehen. Ich habe ja auch noch nicht alle meine Ängste im Griff.




Ich trug an dem Tag endlich einmal meinen schwarzen Highwaist Skirt von Bodyline. Ich habe ihn schon vor einer Weile gekauft, er stand schon seit langer Zeit auf meiner Wunschliste. Ich beschloss das Outfit an dem Tag möglichst praktisch zu halten und trug dazu flache Mary Janes und eine Kurzärmelblouse. 

Es war ein sehr schöner Tag in Basel und es war herrlich all die Dinge zu tun, die ich gerne tue - im Zug lesen, mit einer Freundin durch die Stadt spazieren, Kaffee trinken und dazu Lolita tragen. 
Jetzt im Sommer habe ich wieder richtig viel Zeit für all das und werde jede Sekunde davon geniessen. 

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