Neue Welt

10.9.16




Im Alter von dreieinhalb Jahren bin ich das erste Mal in die USA geflogen, seit damals habe ich es nie wieder über den Atlantik geschafft. Ich hegte aber schon lange den Wunsch die "neue Welt" wieder einmal zu sehen. Eigentlich interessiere ich mich nicht so sehr für Nordamerika, die wenigen Erinnerungen, die ich an meine Reise im Kleinkindesalter noch habe, waren aber Gute. Daher war ich nicht dagegen, als ma soeur mich bat, mit ihr eine Reise in die USA zu unternehmen. Am zweiten August 2016 machten wir uns auf den Weg und stiegen gegen 10 Uhr ins Flugzeug.






Wir bewegten uns während zwei ganzen Wochen auf amerikanischem Boden. Den ersten Halt machten wir in San Francisco. Nach fast 12h Direktflug kamen wir erschöpft bei unserem Hotel in der Nähe des Union Square an und verbrachten den ersten Abend mit einem Restaurantbesuch. Ausgeschlafen machten wir uns dann am darauffolgenden Tag daran, die Stadt zu erkunden. Insgesamt verbrachten wir etwa fünf Tage in San Francisco. Die Stadt gefiel mir ganz gut. Ich mochte die steilen Strassen, auf denen die Cable Cars fahren und die vielen bunten Häuserfassaden. Auch am Strand Ocean Beach war es, wenn auch zu kalt um schwimmen zu gehen, sehr schön. Als besonders beeindruckend empfand ich natürlich die Dimensionen - amerikanische Hochhäuser sind einfach schwindelerregend hoch und amerikanische Einkaufshäuser sind einfach so unglaublich gross. Ma soeur und ich verbrachten einen ganzen Tag in einer Mall nur um zu shoppen und ich glaube am Ende des Tages hatten wir noch nicht einmal die Hälfte dieses riesigen Einkaufshauses gesehen.





Wir verbrachten einen Tag in der Gegend um Fishermen's Wharf. Wir besuchten den Pier 39, wo man Seelöwen beim Faulenzen und Schwimmen beobachten kann. Ausserdem gibt es in der Gegend eine Menge netter Lokale, in denen man etwas essen kann. Vom Pier 31 fuhr dann ein Boot nach Alcatraz. Wir hatten schon im Vorfeld Tickets für einen Besuch der Gefängnisinsel gebucht und stiegen gegen Mittag in eines der Ausflugsboote. Mit diesem Besuch von Alcatraz erfüllten wir ma soeur einen Kindheitstraum - sie hatte die Insel und das Gefängnis schon immer einmal besuchen wollen, seit sie vor Jahren einmal eine TV-Dokumentation darüber gesehen hatte. 









Es war sicher interessant sich Alcatraz einmal anzuschauen, wir waren allerdings nicht so ganz überzeugt davon. Das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis wurde zu einer Touristenattraktion gemacht. Meiner Meinung nach hat es mehr den Charakter einer Freizeitvergnügung als den eines Museums. Obwohl man über eine Stunde mit einem Audioguide durch die verschiedenen Räume geführt wird, erfährt man eigentlich wenig über die Geschichte der Inhaftierten oder des Gebäudes an sich. Die Informationen sind eher oberflächlich. Nichtsdestotrotz war es ein interessanter Ausflug und eigentlich war die Audioguide-Führung, wenn man bedenkt wie hoch die Anzahl Besucher pro Tag im August auf der Insel ist, angemessen.






Nach unserem Ausflug nach Alcatraz mieteten wir in der Nähe von Pier 39 Fahrräder und radelten während etwa 3 Stunden von Fisherman's Wharf den Strand entlang, durch einen Park hin zur Golden Gate Bridge und dann natürlich noch über die Brücke nach Sausalito. Die Golden Gate Bridge lag leider teilweise im Nebel, sie war dennoch sehr schön anzusehen und die Fahrt darüber machte richtig viel Spass. Sausalito ist ein wirklich schönes, malerisches Dörfchen am Strand. Wir hatten nur leider keine Zeit dort lange anzuhalten, weil wir die Fähre nach San Francisco zurück erwischen mussten um unsere Fahrräder rechtzeitig zurück zu bringen.









Da wir das Meer so lieben, machten wir, wie schon kurz erwähnt, einen Abstecher nach Ocean Beach. Das Meer toste, es war bewölkt, windig und bei etwa zwölf Grad Celsius ziemlich kühl. Wir spazierten eine Weile am Strand und fanden dann einen Bus, der uns zurück in die Innenstadt brachte. 









Wir erkundeten die Stadt weiter - wir assen und vergnügten uns im China Town, gingen durch den Financal District, shoppten für mich im Japan Town und verbrachten natürlich einiges an Zeit in den riesigen Einkaufshäusern. 
Da wir unser Hotel am Union Square hatten, sahen wir natürlich auch die dunklere Seite der amerikanischen Grossstädte - bewegt man sich ein paar Strassen von den Touristenattraktionen weg, bevölkern Obdachlose die Strassen. Wir sahen sehr viele obdachlose Amerikaner, manche davon wohl oder sogar sicher Veteranen. Ma soeur und ich sich uns einig - es ist wirklich faszinierend eine amerikanische Grossstadt zu besuchen und sich ein paar Tage dort aufzuhalten, wirklich mögen tun wir sie aber nicht. 





Wir verliessen San Francisco und flogen mit einem Inlandflug vom San Francisco International Airport nach Reno in Nevada. Dort holte uns unser Onkel ab, der vor vielen Jahren in die USA ausgewandert ist. Ihn zu besuchen, war eigentlich unser Hauptgrund gewesen, diese Reise zu unternehmen. Er besitzt ein Sommerhaus am Lake Thaoe in Kalifornien und dort verbrachten wir die restlichen acht Tage unseres Aufenthalts. Es war herrlich. Das Wetter war richtig gut, strahlender Sonnenschein bei jeweils 23 bis 30 Grad Celsius. Wir entspannten am Strand von Lake Thaoe, unternahmen Wanderungen und Spaziergänge und genossen die Zeit mit unseren Verwandten. 















Die Natur um Lake Thaoe ist einfach unsagbar schön. Dort hatte ich anders als in San Francisco endlich das Gefühl zu verstehen, weshalb die ersten Europäer, die in Amerika landeten, dieses Land so faszinierend fanden. Diese Weiten, Berge und diese ungewohnte Pflanzenwelt sind wirklich fantastisch. Wir hatten auch noch einen Tagesausflug in den Yosemite Nationalpark gebucht. Auch das war ein wirklich schönes Erlebnis. Frühmorgens fuhren wir mit dem Bus los, über einen Pass aus dem Gebiet um Lake Thaoe hinaus, durch endlose Weiten, durch Wüste wieder hinauf, und über einen zweiten Bergpass hinein in den Nationalpark. Wir wurden von einem Tourguide durch den Park geführt. Er fuhr uns zu wichtigen Plätzen, wo wir aussteigen, Fotos machen und herum gehen konnten. Ich war zuerst erstaunt darüber, dass wir überall hingefahren wurden, erst als wir dabei waren, erkannte ich, dass die riesigen Distanzen anders nicht zu machen gewesen wären. Wir sahen leider keinen Bären und auch waren um die Jahreszeit die für Yosemite typischen Wasserfälle ausgetrocknet. Dennoch war es ein wunderschöner Tag in der Natur.


















Den Tag, bevor wir wieder zurück nach Hause folgen, verbrachten wir dann noch in Virginia City. Die Stadt war einst eine Goldgräberstadt und ist heute eine halbe Geisterstadt. Sie liegt in Nevada und sieht aus wie diese Städtchen in den Hollywood Wild West Filmen. Alle wichtigen Gebäude stehen an der selben Strasse, ihre Fassaden sind bunt und es gibt eine Menge Saloons. Wir assen in einem solchen zu Mittag, besuchten das Stadtmuseum und schlenderten durch das Städtchen.






Dann hiess es Abschied nehmen. Nach zwei Wochen in den USA folgen wir zurück nach Hause. Wir waren mit Direktflug am San Francisco etwa zehn Stunden unterwegs und kamen todmüde in Zürich an. Ich litt danach fast über eine Woche an einem wirklich heftigen Jetlag. Allerdings würde ich es mir wieder antun. Diese Reise hat mir unglaublich gut getan. Das Gefühl einmal so weit weg von Europa und dem Heimatland entfernt zu sein, so viele Stunden Zeitdifferenz dazwischen zu haben, befreite mich irgendwie. Jeden Tag erlebte ich etwas Neues und Aussergewöhnliches und ich habe sehr viel neue, inspirierende Eindrücke gewonnen. Wir planen jetzt schon unsere nächste grössere Reise - unbedingt wieder weit weg von Europa. Vielleicht wird es die Ostküste der USA, vielleicht Brasilien, aber auf jeden Fall muss es über den Atlantik, in eine neue Welt, gehen.

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