Zu Besuch bei Herrn Tolkien

12.9.16




Im August war es endlich wieder einmal soweit: nach fast einem Jahr feierten die liebe Eva und ich ein Wiedersehen. Dieses Mal auf Schweizer Boden. Wir verbrachten insgesamt drei Tage miteinander, davon verbrachten wir einen in St. Gallen, einen in Konstanz/DE und den Letzten in Jenins. Über diesen dritten Tag im malerischen Graubündner Dörfchen Jenins möchte ich nun etwas ausführlicher berichten. Wir besuchten dort nämlich das Greisinger Museum.






Die Gemeinde Jenins liegt am Fusse des Berges Vilan, auf der rechten Seite des Churer Rheintals. Dort startete Mitte des Jahres 2008 der Bau des Greisinger Museums, welches heute Bernd Greisingers private Sammlung zum Thema Mittelerde zeigt. Es handelt sich dabei um die weltweit grösste und bedeutendste Sammlung dieser Art. Sie öffnete am 4. Oktober 2013 ihre Türen, genauer die Tür zur Hobbithöhle, für Fans von Mittelerde. 

Ich habe schon während der Oberstufe alle Der Herr der Ringe gelesen und die Filme gesehen, danach las ich irgendwann im Gymnasium Der Hobbit und begann Das Silmarillion (welches ich, zugegeben, nach einigen Seiten wieder abbrach). Letztens stiess ich dann auch einmal auf Tolkiens akademische Werke und las einen Teil von On Fairy-Stories. Der Aufsatz begeisterte mich und ich suche derzeit nach einer gedruckten und gebundenen Ausgabe von Tolkiens Aufsätzen. Auch Eva hat die erwähnten Werke gelesen und wir sind beide grosse Bewunderinnen von Tolkiens Können. Abgesehen davon sind wir Bibliomane und besuchten schon in Wien gemeinsam Museen und Ausstellungen zum Thema Bücher und Literatur. In St. Gallen liessen wir uns natürlich auch die Stiftsbibliothek nicht entgehen. Kein Wunder also, dass es uns ins Greisinger Museum verschlug. Mit der lieben Eva hatte ich auch wirklich eine wunderbare und begeisterte Begleitung mit dabei.






Der 27. August 2016, ein Samstag, war ein herrlicher Sommertag. Wir hatten schon sehr früh aufstehen müssen, um von St. Gallen nach Jenins zu fahren und pünktlich um zehn Uhr beim Museum anzukommen. Im kleinen Graubündner Dorf herrschte sommerliche Morgenstimmung. Wir fanden schnell unseren Weg zum Museum und warteten dort an einem reizenden, angelegten Teich auf den Beginn der Führung. 






Um etwa eine Viertelstunde nach zehn Uhr öffnete sich auf einmal die Tür zur Hobbithöhle und Bernd Greisinger trat hinaus. Er lud uns ein einzutreten und wir waren schrecklich aufgeregt. Wir traten ein und fanden uns im Inneren der Hobbithöhle wieder. Wer jetzt erwartet, dass wir uns in einem kahlen Museumseingang wieder fanden, täuscht sich. Greisinger erklärte uns, dass er damals, als er die Hobbithöhlen in Neuseeland besucht habe, enttäuscht gewesen sei, weil hinter den Türe nichts als ein bisschen Schutt und Beton zu finden sei. Deswegen habe er eine authentische Hobbithöhle gebaut. Er erzählte uns auch, warum das Greisinger Museum ausgerechnet in die Schweiz gehört - tatsächlich verbindet Tolkien und die Schweiz mehr, als man vielleicht annimmt.












Ich möchte eigentlich nicht allzu viel von dem erzählen, was uns Greisinger erzählte. Alleine im Eingang zur Hobbithöhle standen wir über eine Stunde, weil er so Vieles zu sagen hatte. Sein Wissen über Tolkien und dessen Werke ist enorm und es macht eine Menge Spass ihm zuzuhören. Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, weil sein beissender Humor mir irgendwie nicht allzu sympathisch war. Bald schon wurde aber klar, dass sein Spott jeden mal trifft und, dass er, was gewisse Themen angeht, auch allen Grund hat, sich darüber lustig zu machen. Hat man sich an seinen Humor gewöhnt oder mag man ihn sowieso von Anfang an, ist es dann wirklich toll ihm zuzuhören.












Nach gut zwei Stunden in der Hobbithöhle, betraten wir das eigentliche Museum. Dieses liegt grösstenteils unterirdisch und beherbergt eine Unmenge an Ausstellungsstücken. Die meisten davon sind Originale, die natürlich auch sehr wertvoll sind. Eva und ich waren selbstverständlich besonders beeindruckt von Greisingers Büchersammlung. Die Originale, teils von Tolkien signiert, die er dort ausstellt, sind unglaublich wertvoll und es ist irgendwie magisch sich diese fantastischen Bücherausgaben anschauen zu können.






Wir machten eine Menge Fotos. Greisinger erlaubt das Fotografieren im ganzen Museum und bittet sogar darum. Ich weiss gar nicht wie viele aussergewöhnliche Dinge wir sahen und wie viele unglaublich interessante Details über Tolkien und seine Werke uns Greisinger insgesamt erzählte, aber die Führung dauerte alles in allem etwa viereinhalb Stunden. Jede Minute davon lohnte sich und nach Ende der Führung erhielten wir sogar noch etwas zu trinken und zu knabbern und hatten die Möglichkeit uns in ein Gästebuch einzutragen. 

Vielmehr möchte ich eigentlich gar nicht über das Museum verraten. Ich hoffe, dass die paar Fotos und meine Erzählung, euch dazu bringen, es einmal auf eigene Faust zu erkunden. Nach fast fünf Stunden traten Eva und ich hinaus ins gleissende Sonnenlicht, hinaus in einen dreissig Grad warmen Schweizer Sommertag. Hinaus und zurück in die Realität - unsere für den Fantasy schlagenden Herzen voller Mittelerde.

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